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Kategorie "Berufliche Herzensprojekte"

Seelenwärme - Herzensprojekte (5)

21.03.2019

Gesa   Gesa-CH

Gesa Grand ist Teilnehmerin in meinen Therapeutic Touch Seminaren und mit diesem schönen Text wird ihr ganz persönliches Herzensprojekt sehr spürbar:

"Ich bin Gesa Grand und arbeite als Be-Hand-lerin in meiner Praxis Seelenwärme im Gasthaus Zwirgi in Schattenhalb. Schattenhalb liegt im Haslital, im Berner Oberland, in der Schweiz. Seit Dezember 2016 führen mein Mann und ich das Gasthaus Zwirgi. Wir sind dabei, dass Gasthaus zu neuem Leben zu erwecken. Es liegt inmitten der Natur, umgeben von einem herrlichen Panorama, oberhalb des Reichenbachfalls. Unser Gasthaus ist ideal für eine Auszeit. Ruhe und die mystische, urchige Landschaft des Reichenbachtals laden dazu ein, sich wieder zu finden und aus dem Alltag auszusteigen. Ankommen – das ist unsere Philosophie.

Aufgewachsen im Rhein-Main-Gebiet, in ländlicher Umgebung bei weltoffenen Eltern. Gesegnet mit zwei Grossmüttern, die Wert auf Selbstgemachtes legten und spirituelle Methoden wie Pendeln und Hellsichtigkeit nutzten. Was ich als Geschenk mitbekam und damit meine ersten Erfahrungen sammelte. Als ich 6 Jahre alt war, zogen wir in die Schweiz. Es folgten Lehr- und Wanderjahre, in denen ich ich als Psychiatriepflegefachfrau im Gesundheits- und Sozialbereich Erfahrungen sammelte und verschiedene Aus- und Weiterbildungen im Bereich «Beeinträchtigung» absolvierte.

Mein Mann und ich fanden unser daheim in meinem Elternhaus im Berner Seeland. Ausgestattet mit grossen Zimmern und einem Garten, genossen wir unseren Raum und gingen unseren Berufen – Gastronomie und Pflege – nach. Irgendwann entstand die Idee, ein Bed and Breakfast und eine eigene Praxis zu eröffnen. Mein Elternhaus war einfach zu gross für Zwei. Zudem erinnerte ich mich nach und nach wieder an das Geschenk meiner Grossmütter und verlagerte meine Tätigkeit auf alternative, körperorientierte Methoden mit den Händen.

Es folgten Weiterbildungen in Rhythmische Einreibungen nach Wegmann / Hauschka und RESET Kieferbalance. Durch den Anstoss einer liebevollen Freundin und einem inneren Ruf folgend, entstand unser Projekt eines Gasthauses. Es sollte ein Ort der Auszeit und Ruhe sein, in der Natur, überschaubar, familiär, einfach, offen für Spirituelles und alternative Angebote.

Das Gasthaus Zwirgi fand uns – 2016 erfolgte der Umzug ins Berner Oberland.

Wiederum einem inneren Impuls folgend, meldete ich mich zur Ausbildung Therapeutic Touch bei Vera Bartholomay an. Seither entdecke im immer wieder von neuem, was Berührung auslöst und in Bewegung setzt.

 

In meiner Praxis biete ich sanfte Körper-Be-Hand-lungen an, die umhüllend, entspannend und «Seelenwärmend» sind. Allen Behandlungen ist gemeinsam, dass sie die Energie im Innern wie im Aussen regulieren, reinigen, harmonisieren, anregen, verbinden und stärken.

 

Berühren und Berührt werden – das verbindet meine Methoden, die ich gerne miteinander kombiniere. So wie es sich stimmig anfühlt. Denn: Wir sind nicht mehr «in Berührung» mit uns, mit unserem eigenen Körper noch mit den Menschen um uns herum. Doch wissen wir in unserem Innersten, das Berührungen eine unglaublich wohltuende, ja sogar heilsame Wirkung haben.

 

«Ohne innere Wärme ist nichts Grosses noch Schönes im Leben vollbracht worden»

sagte Eduard Hanslick (1825 - 1904), österreichischer Musikschriftsteller und Musikkritiker

 

Ich freue mich auf unsere Begegnung

Herzlich

Gesa Grand"

www.zwirgi.ch

gasthaus@zwirgi.ch

Weitere interessante berufliche Sehnsuchtsprojekte findest du in meiner Blogreihe "Herzensprojekte" und in meinem Buch

Projekt Sehnsucht - Coverbild

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Heilsame Berührung, Natur, Stille, TT-Practitioner

Der weibliche Weg - Herzensprojekte (4)

18.03.2019

Ein weiteres Herzensprojekt. Heute mit den Worten von Anna-Maria Lösche:

Anna-Maria Lösche

"Ich bin orientalische Tänzerin, Tanzpädagogin, Weiblichkeitspädagogin, Fachreferentin für ganzheitliche Frauengesundheit und Therapeutic Touch Practitioner.

Diese vielfältigen Beschäftigungen sind das Ergebnis eines seit 40 Jahren andauernden Weges, für den ich mich weniger bewusst entschieden habe, als dabei mehr einem inneren Impuls zu folgen. Mein Fokus lag zwar von Anfang an darauf, mit meiner Arbeit Frauen durch Bewegung und Tanz zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Jedoch erst vor ca. 10 Jahren wurde mir meine eigene innere, weibliche Spur klar, dieses mein "Anderssein", dieses "Anders ticken",  diese meine "andere Stimme", womit ich sooft auf meinem Weg nicht verstanden wurde und auch viel Ablehnung erfahren habe. Mir war es selbst viele Jahre nicht bewusst, dass das, was mich Innersten bewegte, die Sehnsucht war, weibliche Energie in ihrer ganzen Fülle freizusetzen, nicht nur die Kriegerin, nicht nur die Starke und Unabhängige, die so gut ins männlich geprägte Gesellschaftssystem hineinpassen, sondern gerade aus den weiblichen Facetten heraus leben zu können, die mit Sanftheit, Nachgiebigkeit und Empfänglichkeit zu tun haben. Mit Verletzlichkeit, Anmut und Schönheit.

Ich war ein stilles Wasser und die Stille, der Rückzug und das Alleinsein waren mir immer hohe Werte, die in einer lauten Welt anscheinend hinderlich waren, wenn es darum ging sich zu behaupten und seinen Weg zu machen.
Als Kind wurde mir gesagt, mir eine "dickere Haut" zuzulegen, zu lernen mich mit "den Ellbogen durchzusetzen", da ich sonst keine Chance hätte, in einer Gesellschaft zu überleben, wo es darum geht zu gewinnen - oder zu verlieren. Das klappte natürlich nur bedingt. An Wettbewerb war ich überhaupt nicht interessiert. Denn da war diese leise  Stimme in mir, die ich nicht überhören konnte, eine Stimme, die mich in unbekannte, fein schwingende Räume zog.

Ich hatte das Glück, als junge Frau Mitte der 70er Jahre loszugehen, in einer Zeit, die von vielen freiheitlichen Bestrebungen geprägt war und viele Möglichkeiten bot, über den Tellerrand einer Leistungsgesellschaft zu schauen.

Tanz ist Meditation? Ist Gebet? Wie herrlich!
Diese neue Vorstellung begeisterte mich, denn Tanzen war für mich nie Wettbewerb gewesen oder auf Leistung und Konkurrenz gepolt, war stets Ausdruck meiner Seelenschwingung, der Sehnsucht mich mit der Lebensenergie zu verbinden, frei und wild. Ich habe nie Tanz studiert, ich habe einfach losgelegt. Ich hatte viele gute Lehrerinnen und Lehrer, die meine Entwicklung zur Tänzerin und Tanzpädagogin begleiteten. Ohne mich auf etwas Bestimmtes festzulegen, lernte ich, ließ mich inspirieren und das mache ich bis heute: Ob Meditationstechniken, Atem- und Energiearbeit, Selbsterfahrung,  unterschiedliche Tanzformen, Weiterbildungen in  vielen verschiedenen Bereichen der Frauenarbeit und jetzt kommen noch Stimme und Klang dazu ... ich fühle und erlebe voller Freude, wie sich all das, was mich interessiert, zu einem Mosaik zusammenfügt:

Mein Konzept des "weiblichen Weges"

Es ist ein ganzheitliches Angebot für Frauen, das fein-sinnliches, inneres Spüren, Selbstmitgefühl und Selbstliebe fördert. Auf der Basis des inneren Erlebens können Frauen ihre weibliche Essenz ganz individuell entdecken und leben.
Weibliche Energie öffnet ihre Türen in der Stille und in der Achtsamkeit für uns selbst. Es ist kein Machen sondern ein Zulassen. Es ist eben der "andere Weg", der weibliche Zugang zum Leben, der in unserer überaktiven Welt so fehlt.

Die Klarheit über die Zusammenhänge der Charakteristik von Männlich/Weiblich erhielt ich durch die integrale Vision von Ken Wilber. Seine "integrale Landkarte" ist ein wunderbares Medium, sich selbst und alles andere sinnvoll einordnen zu können und kluge Entscheidungen zu treffen. Mit diesem Wissen entwickelte sich mein Angebot weiter, so dass ich heute nicht nur mit Tanz arbeite, sondern Frauen in allen Prozessen ihres Lebens als Heilbegleiterin unterstützen kann.

Hier war dann auch die Entdeckung der Methode Therapeutic Touch für mich ganz wichtig. Diese Behandlungen sind gerade für Frauen so heilsam, weil sie auf entspannte, einfache Weise tief ins innere Fühlen und Schwingen kommen können.

Nicht aufgeben

Mein zutiefst weiblicher, innerer und meditativer Ansatz stieß natürlich auch auf Unverständnis und z. T. massive Widerstände. Es gab durchaus steinige Jahre. Aber ich kann allen, die mit einer Herzensvision auf dem Weg sind, raten, immer wieder aufzustehen und zu vertrauen. Ich habe diese Niederschläge ganz klar zur Schattenarbeit genutzt. Diesen Teil von mir, der gescheitert, enttäuscht oder verletzt war, habe ich in Liebe integriert. Ich hatte das Bild meiner "dunklen Schwester", der Frau in mir, die traurig war, verletzt, erfolglos und missachtet - und diese meine dunkle Schwester habe ich in Liebe umarmt und getröstet. Das hat mich echt weitergebracht. Ich habe damit einen so wichtigen Teil meines Selbst mit ins Boot geholt, bin mit ihm erstarkt und kann heute ganz anders mit Schwierigkeiten umgehen.

Meine Vision lebt!

Die Vision eines integralen Frauseins, das auf der Basis des inneren Erlebens nichts mehr ausschließt, sich selbst und das Leben in allen Facetten von Licht und Dunkelheit würdigen und umarmen kann. Damit bin ich natürlich nicht im Mainstream, aber ich lebe glücklich mit dem, was ich geschaffen habe und was mir geschenkt wurde. Wenn aus angestrengten, übermüdeteten und überarbeiteten Frauen lebendige, sinnliche Wesen werden, ist das eine wunderbare Aufgabe. Ich gebe Schutzraum, wir erschaffen gemeinsam weibliche Energieräume und schenken uns Schwesternschaft, um Frausein in Liebe und Freiheit sichtbar werden zu lassen. Ein neues Frausein, das in die Zukunft weist und ein heiles weibliches Feld für alle Frauen auf der Erde bereitet."

http://www.weiblicher-weg.de/

Anna-Maria Lösche kommt neben weiteren Herzensprojekten zu Wort in meinem aktuellen Buch:

Projekt Sehnsucht - Coverbild

 

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Heilsame Berührung, Therapeutic Touch

Dein Projekt Sehnsucht

07.03.2019

Projekt Sehnsucht - Coverbild

Endlich ist mein neues Buch da! Ich danke allen, die schon vorbestellt hatten oder es gleich tun wollen. Und bin jetzt sehr gespannt auf eure Meinungen dazu und was gerade dein Projekt Sehnsucht ist.

Unter allen, die mir hier schreiben, warum sie dieses Buch unbedingt lesen oder jemanden schenken/empfehlen wollen, verlose ich ein Exemplar von "Projekt Sehnsucht" (bis 15.3.19).

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte:

Das Produkt hat eine Seele – Herzensprojekte (2)

06.03.2019


Ein Gespräch mit Karl Gläsle, Dresden

„ Die Dresdner Frauenkirche gilt als ein Meisterwerk der europäischen Bau- und Kirchenkunst und darüber hinaus als weltweites Symbol für Versöhnung und Frieden. Ihr charakteristisches Aussehen erhält die Kirche auch durch die Kombination der neuen hellen Sandsteine mit den dunklen Sandsteinen der ehemaligen Kirchenruine.
In Anlehnung daran haben wir die „Dresdner Frauenkirchensteine“ entwickelt; eine erlesene Spezialität aus hellem und dunklem Sahne- und Mandel-Nougat mit der feinen Marmorierung des sächsischen Sandsteins.“


So steht es auf der Website von Karl Gläsle, der eigentlich Designer ist. Wie kommt er dazu, Pralinen herzustellen?

Was ist dein Beruf und wie bist du zu diesem außergewöhnlichen Angebot gekommen?

in meinem langjährigen Beruf als Designer kümmere ich mich um Design und Marketing für verschiedene Unternehmen. Dabei ging es tatsächlich auch öfter um Verpackungen und Produktentwicklung für die Confiseriebranche, und so kam ich irgendwann auch auf die Idee, ein eigenes Produkt zu entwickeln. Eine ganz eigene Marke.
In dieser Zeit fand der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche statt und da habe ich gesehen, wie die alten Steine aus den Trümmern der zerstörten Kirche durch neue helle Sandsteine in der gleichen Art ergänzt wurden. Die darin innewohnende Symbolik hat mich fasziniert: alt und neu, Zerstörung und Wiederaufbau. So kam ich auf die Idee, ähnliche „Steine“ in Form von Pralinen herzustellen, und wusste intuitiv, das ist es!
Ich habe gesehen, dass zwar ganz viele Produkte entwickelt wurden für die Dresdner Frauenkirche, aber das meiste war Kitsch und austauschbar, nichts hat sich wirklich konzeptionell auf die Kirche in ihrer Struktur bezogen.
Ich hab immer die kleinen Firmen bewundert - sowas wie kleine Manufakturen - und wollte gerne etwas in einer ähnlichen Art entwickeln.


Wir hatten ja bereits in dieser Zeit Kontakt und ich erinnere mich an deine ersten vagen Ideen zu den Pralinen. Du hast sie dann immer wieder verworfen, aber ich hatte den Eindruck, dass die Pralinen sich sozusagen immer wieder in deinem Leben zu Wort gemeldet haben.

Ich hatte das Thema immer wieder in der Mangel und hatte auch manchmal Hersteller gefunden, die es getestet haben, aber das klappte einfach nicht. Dazwischen hatte ich längere Phasen, in denen ich nicht weiter wusste, bis irgendwo wieder eine neue Chance auftauchte. Dieser Prozess hat acht Jahre gedauert. Der Durchbruch kam, als ich meine Pläne in einem sogenannten „Erfolgsteam“ vorgestellt habe, zu dem ich damals gehörte und dort alle ganz begeistert waren. Dort gab es auch eine Frau, die früher bei einem Radiosender gearbeitet hatte, und sie gab mir den entscheidenden Tipp, dass ich mich noch in der Entwicklungsphase an die Presse wenden soll – also schon bevor das fertige Produkt vorliegt. Dadurch kam die ganze Sache ins Rollen und schon eine Stunde nachdem meine erste Pressemitteilung raus war, haben mich zwei Journalisten angerufen und am Telefon interviewt.
In dieser Pressemitteilung hatte ich auch geschrieben, dass ich noch einen Schokoladenhersteller für dieses Projekt suche, und daraufhin meldete sich unter anderem mein erster Hersteller.


Du hattest nur einen fertigen Nougatstein als Prototypen und die Verpackung. Die Leser konnten also noch nicht losgehen und sich was kaufen. Das ist schon interessant, dass auch ein unfertiges Produkt durchaus etwas ist, worüber die Presse berichten will.
Du sagtest vorher, du hast es intuitiv gewusst, dass diese Idee gut ist. Wie meinst du das - wie hast du es genau gewusst?

Ich hab es einfach gespürt. Das hängt mit meiner Vergangenheit als Designer zusammen und mit meinem Gespür für Produkte. Ich wusste, hier kommen einige Dinge zusammen. Es war ein einzigartiges, authentisches Produkt. Es ging tiefer als die üblichen Souvenirprodukte, denn die übliche Variante bei Süßwarenprodukten ist es eher, dass ein großer Hersteller nur ein Foto von einer lokalen Sehenswürdigkeit auf seine üblichen Produkte klebt, die er sonst auch überall verkauft.
Meine Idee hat sich aber sehr davon unterschieden, weil es einen starken Bezug zu Dresden hatte. So ähnlich, wie Mozartkugeln mit Salzburg etwas zu tun haben. Es ist nicht nur ein Produkt, sondern ein Symbol für Dresden. Etwas, womit man sich in Dresden identifizieren kann, so wie der Dresdner Stollen ein Symbol für Dresden geworden ist. Deshalb wusste ich um das Alleinstellungsmerkmal und auch, dass es etwas sehr Emotionales hatte.
Und ein anderer Aspekt war, dass es sich um einen relativ kleinen Rahmen handelte mit einem lokalen Produkt. Ich musste also nicht ein Produkt entwickeln, das gleich bundesweit in die Läden kommen sollte.

Was hat dir in dieser Aufbauzeit geholfen?

Meine Vision und mein Glaube an das Projekt auch in schweren Zeiten und mein Durchhaltevermögen. Nicht zuletzt aber auch meine Frau und all die Menschen, die mich auf dem Weg unterstützten. Wichtig war auch, dass ich gleich nach dem Start gezwungen war, Händler zu akquirieren und viele mitspielten, so dass ich gleich Einnahmen hatte.
Mit der Zeit auch die Erfahrung, dass es auch in schwierigen Phasen doch immer wieder weiterging und die größere Gelassenheit, die sich daraus entwickelte. Und die Erkenntnis, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

Gab es besondere Krisen und wie bist du damit umgegangen?

Krisen gab es immer wieder, zum Beispiel wenn ein potentieller Hersteller wieder abgesprungen war.
Die schlimmste Krise war vielleicht, als mir mein erster Hersteller ein Bein stellte. Er hat auf einmal eine Preiskalkulation aufgestellt, mit der ich nicht mehr mitgehen konnte. Mitten in der Produktion konnte ich aber nicht gleich den Hersteller wechseln und musste deshalb eine Weile mitgehen und mir parallel so schnell wie möglich jemand anders suchen.
Ich fragte mich aber auch, ob die Bedingungen und die Zusammenarbeit mit anderen Manufakturen am Ende besser würden und ob das ganze Projekt noch Sinn macht. Und dann ergab sich aber ein Glücksfall. Ich habe mich an eine Firma gewandt, die auch eine Erlebnisconfiserie in Dresden betreibt. An diese Firma hatte ich mich schon vor Jahren einmal gewandt, aber damals keine Antwort bekommen. Und als ich jetzt nochmals bei ihnen angeklopft habe, stellte sich heraus, dass sie sich absolut an mich erinnern konnten und meine Idee damals sogar ausprobiert hatten - aber ohne Erfolg. Und dann bin ich irgendwie in Vergessenheit geraten.


Das ist natürlich eine wichtige Geschichte, dass es sich auch lohnt nachzuhaken, wenn man keine Antwort bekommt, dass das nicht unbedingt bedeutet, dass die Leute kein Interesse haben, sondern dass es aus anderen Gründen dort nicht weitergegangen ist.
Wie findet man denn eigentlich eine Schokoladenmanufaktur?


Das war eine der Fragen, warum es acht Jahre gedauert hat bis ich Erfolg hatte. Es gab damals tatsächlich sehr wenige Schokoladenmanufakturen. Die Firmen, die Schokolade hergestellt haben, waren die klassischen Mittelstandsbetriebe, und da war alles viel zu technifiziert und mit Maschinen lässt sich das Produkt bis heute nicht herstellen.
Die kleinen, experimentierfreudigen Manufakturen kamen erst so ab 2006 richtig auf, vor allem hier im Osten Deutschlands. Von daher hatte ich nicht so viele Möglichkeiten. Damals gab es in der Region vielleicht 3-4 Stück. Es gibt immer noch nicht so viele davon, und die findet man dann schon. Ob es passt, ist dann aber noch eine ganz andere Frage.
In dieser Zeit habe ich aber gelernt, dass ich in Unsicherheitsphasen irgendwie aktiv werden muss. Dann passiert immer irgendwas auch im Außen. Nicht immer als direkte Antwort auf das, was man macht, aber es kommt von irgendwo etwas her. Das ist eine gute Erfahrung.


Du verkaufst heute über Läden in Dresden, die Souvenirs oder Schokolade verkaufen, aber auch größere Firmen wie BASF und McDonald’s gehören zu deinen Kunden.

Firmen suchen zum Beispiel immer wieder besondere Kundengeschenke für Tagungen und Konferenzen. Auch bei Begegnungen auf politischer Ebene sind die Pralinen eine beliebte Aufmerksamkeit.


Was würdest du heute anders machen?

Einiges, vorausgesetzt, ich wüsste zu Anfang schon, was ich jetzt schon weiß. Immer unter dem Vorbehalt, dass man hinterher immer klüger ist.
Insgesamt würde ich schon am Anfang noch mehr in die Vollen gehen; ich habe mich damals von Unwägbarkeiten und Rückschlägen zu sehr einschüchtern lassen. Ich würde mich auch nicht mehr so sehr von den vermeintlich ungünstigen Rahmenbedingungen irritieren lassen (Handwerksrecht, Autorität größerer Firmen u. ä.). Ich würde heute noch mehr nach dem Lean-Prinzip vorgehen: ein Schritt, testen, daraus lernen, nächster Schritt usw. Wahrscheinlich würde ich heute von Anfang an selbst eine Produktion aufbauen. Eventuell auch gleich Berater suchen, die mir zur Seite stehen.
Ich würde auf jeden Fall versuchen, mir eine Fangemeinde zu schaffen und das Produkt zu vermarkten, bevor es fertig steht. Darüber könnte ich auch versuchen, mittels Crowdfunding die Idee zu finanzieren und publik zu machen. Oder ich würde schon in einem frühen Stadium fremdfinanzieren, um schneller voran zu kommen. Vielleicht würde ich auch mehr delegieren oder mir Partner/Mitarbeiter ins Boot holen.


Welchen Rat würdest du anderen geben?

Im Prinzip das, was ich schon oben genannt habe. Und auf jeden Fall versuchen, Rückschlägen zum Trotz weiterzumachen und dabei ruhig die aktuelle Situation etwas verdrängen – nach dem Prinzip „Augen zu und durch“. Es lohnt sich, hartnäckig zu bleiben. Manchmal braucht es einfach einen langen Atem und vieles ergibt sich erst über Umwege oder anders, als man dachte.
Man sollte auch immer verschiedene Wege und Kanäle ohne Vorbehalte ausprobieren. Was bei anderen funktioniert, muss bei mir nicht funktionieren und andersherum.


Ahnst du das Geheimnis deines Erfolgs? Was machst du anders als manche andere?

Ich gebe meinen Kunden ein Produkt, mit dem sich viele auf eine gewisse Weise identifizieren können und das sie als außergewöhnlich, authentisch und genussvoll empfinden. Und ich zeige ihnen meine Begeisterung und Liebe zum Produkt und meine Authentizität. Und dass es mir nicht nur ums Verkaufen geht, sondern um eine Idee.

Was bekommst du zurück von den Kunden, abgesehen von der Tatsache, dass sie deine Produkte kaufen?

Von meinen Kunden erhalte ich Anerkennung, Verständnis in schwierigeren Situationen und manchmal eine Begeisterung, die es für „normale“ Produkte so nicht gibt. Letzteres sind dann die Highlights.

Was ist heute das „Herz“ deines Angebots?

Es ist ein Produkt mit Seele. Es begeistert viele Leute. Es ist ein weiteres Genusssymbol für Dresden entstanden.
Es gefällt mir, dass ich mit meinem Produkt etwas schaffe, das mich hoffentlich überdauert, das über mich hinausgeht. Im gewissen Sinne Spuren hinterlassen. Und dass ich mit meinem Produkt etwas für Dresden und die Frauenkirche, für die Dresdner sowie Freunde und Besucher der Stadt bewirke und gleichzeitig für mich Erfolg habe.
Ich spüre dadurch auch eine größere persönliche Verbundenheit mit der Stadt. Wenn ich an die Händler auf dem großen Marktplatz bei der Dresdner Frauenkirche ausliefere oder über den Weihnachtsmarkt schlendere und meine Pralinen entdecke , dann fühle ich mich sehr stark verwoben mit dieser Stadt, und zwar auf eine anderer Art und Weise, als ich es früher kannte.

http://www.frauenkirchensteine.de/

Das Gespräch mit Karl Gläsle fand statt bei der Recherche für mein aktuelles Buch „Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen“.

Projekt Sehnsucht - Coverbild

www.vera-bartholomay.com

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte:

Schmuck mit persönlicher Geschichte - Herzensprojekte (1)

03.03.2019

Susanne persönlich

Ein Gespräch mit der Goldschmiedin Susanne Detemple:

Ich habe eine Goldschmiede – es ist ein kleiner Laden in der Saarbrücker Altstadt und ich fertige mein Schmuck selber, d.h. ich hab meine Werkstatt darin integriert. So ist es sozusagen ein fließender Übergang in den Verkaufsladen. Das war mir immer ganz wichtig, weil ich damit auch die Wertigkeit meines Schmuckes zeige, denn die Leute können mir sozusagen über die Schultern gucken, wie der Schmuck hergestellt wird. Damit entsteht auch eine Geschichte mit den Schmuckstücken. Sie werden nicht einfach aus irgendeiner Vitrine geholt, sondern werden wirklich selber gemacht. Außerdem können die Leute selber Hand anlegen, d.h. ich gebe auch Kurse, in denen die Leute selber lernen, wie sie Schmuck herstellen können. Aber die Leute können auch hier Schmuck entdecken, den sie vielleicht eher in einer anderen Farbe oder etwas anders gestaltet haben wollen, und dann mache ich es nach ihren Vorstellungen.

Du bist ausgebildete Goldschmiedin, hattest aber nicht gleich ein Geschäft?

Ich habe eigentlich Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen studiert. Damals dachte irgendwie jeder, man müsse studieren, wenn man Abitur gemacht hat. Niemand hat eine Ausbildung gemacht. Ich hatte damals zwar geschwankt zwischen Goldschmiedin und Kunstgeschichte, aber Studium war das Naheliegende, was ich auch nicht bereue. Ich hab aber im Studium gemerkt, dass es nichts ist, womit ich alt werden möchte. Denn ich wollte unbedingt morgens aufstehen und gern zur Arbeit gehen. Nie wollte ich montags schon auf den Freitag hoffen. Und ich habe schnell erkannt, dass ich das mit meinem Studium nicht erreichen werde. Eher sogar, dass es mit Kunstgeschichte nicht so leicht sein würde, eine wirklich befriedigende  Arbeitsstelle zu finden.

Aber schon im Studium fehlte mir das Kreative. Ich fand mein Glück nicht im Schreiben einer 30-seitigen Hausarbeit. Ich habe das Studium dennoch beendet und habe dann eine Ausbildung zur Goldschmiedin angefangen. In der Abstellkammer in meiner Wohnung habe ich Schmuck hergestellt und bin damit auf Kunsthandwerkermärkte gegangen und habe dort meinen Schmuck verkauft. Das war auch eine wichtige Erfahrung um zu sehen, ob mein Schmuck ankommt bei den Leuten.

Und dann ist es immer mehr geworden. Der Wunsch nach einem Laden war immer da. Es war zwar klar, dass ich diesen Wunsch nicht in Tübingen verwirklichen kann -  da ist die Miete einfach zu teuer. Eigentlich wollten mein Mann und ich an den Bodensee und dann hat die familiäre Seite meines Mannes im Saarland uns hierhin gebracht. Dann war die Werkstatt erst mal wieder nur zu Hause und ich habe gekellnert, um Geld zu verdienen. Denn hier musste ich ja erst mal Fuß fassen und bekannter werden.

Dann kam aber irgendwann der Laden und dann ging es eigentlich recht schnell.

Vorweg ging eine Reise nach Indien, wir waren drei Wochen in Süd-Indien und es war ganz traumhaft. Vorher hatte ich den leerstehenden Laden in Saarbrücken gesehen. Irgendwann unterwegs habe ich meinem Mann beim Frühstück davon erzählt und er sagte ganz aufgeregt „Wir müssen da sofort anrufen, den Laden musst du mieten“. Ich bin da eher etwas schwäbisch und vorsichtig geprägt und wollte das erst mal gut überlegen.

Wir kamen im Februar ins trübe Deutschland zurück aus dem Farbenmeer in Indien und ich saß hier auf dem Sofa und dachte, es geht so nicht mehr. Ich will jetzt nicht länger kellnern. Ich rief dann den Vermieter an und vier Wochen später habe ich den Laden tatsächlich gemietet.

Ich bin wirklich über meinen Schatten gesprungen. Indien hat mir irgendwie den Mut gegeben,  dass es irgendwie schon funktionieren wird, denn in Indien funktioniert auch so vieles und viele kommen mit sehr wenig aus. Ich wollte zwar nicht in eine große Schuldenfalle gehen, aber ging erst mal das Risiko ein. Also letztendlich war es eine Mischung aus vielem, was mich dazu gebracht hat, den Schritt zu gehen.

Aber es war schon ein wirklich mutiger Schritt zu sagen: „So jetzt springe ich!“ Die Sicherheit hat man ja nie, dass es wirklich funktioniert. Ich wusste zwar, dass mein Schmuck gut ankommt, dass mein Schmuck auch qualitativ hochwertig genug ist, dass die Leute ihn kaufen, aber nicht, ob ein eigener Laden sich tragen wird. Ob man die Fixkosten regelmäßig reinholen kann – das weiß man halt nie vorher.

Mit den Kunsthandwerkermärkten hatte ich mittlerweile die Erfahrung, wenn bestimmte Bedingungen stimmten - gutes Wetter und viel Publikum -, dann kann ich den und den Umsatz ungefähr machen, aber ist das etwas, was man auf sechs Tage in einem Laden übertragen kann? Das wusste ich nicht. Das muss man dann einfach ausprobieren.

Du hast bewusst die bessere Lage gewählt in der Altstadt und in Marktnähe? War dir klar, dass du genau da hin musst, wenn es gelingen soll?

Ja, es ist zwar nicht die allerbeste Adresse, denn die hätte ich nicht bezahlen können, aber eine Seitengasse vom Hauptmarktplatz immerhin. Und mein Laden ist natürlich winzig klein und hat auch ein paar praktische Nachteile. Das heißt aber auch, dass ich nicht eine große Fläche finanzieren musste, das hat schon etwas geholfen. Aber es war mir schon klar, dass es eher eine zentrale Lage sein müsste.

Wovon hast du am Anfang gelebt? Man nimmt ja nicht vom ersten Tag an Geld ein.

Ich habe einen kleinen Bankkredit bekommen, den ich aber fast komplett für die Einrichtung ausgegeben habe. Mein Mann hat Geld verdient und wir können beide sehr sparsam leben. Ein bisschen gespart hatte ich auch. Und ich habe auch auf äußerster Sparflamme den Laden eingerichtet. Es sollte schon perfekt sein, ich habe nicht an entscheidenden Dingen gespart, aber eine Freundin hat mal zu mir gesagt: „Fällt dir eigentlich auf, dass du am kreativsten bist, wenn du wenig Geld hast?“ Und das stimmt. Ich versuche dann, viel aus wenig zu machen.

Man kann z.B. für Schmuckvitrinen ein Vermögen ausgeben. Die sind teilweise dann wunderschön, aber das muss nicht immer sein.

Wie lange hast du den Laden?

Jetzt schon vier Jahre.

Gab es in der Zeit besondere Krisen oder Momente, in denen du nicht wusstest, ob du es schaffen wirst?

Vielleicht sogar momentan. Ich habe vor einem Jahr meine Tochter bekommen und habe einfach in dem letzten Jahr nicht durchgehend arbeiten können. Und das merkt man irgendwann dann doch.

Eine Krise will ich es vielleicht nicht nennen, aber ich war weniger für Laufkundschaft da. Die Stammkundschaft ist mir schon treu geblieben.

Geschehen auch Dinge, die dir wieder Mut machen, wenn es gerade etwas schwierig ist?

Ja, das Wichtigste davon liegt jeden Morgen neben mir und strahlt mich an.

Und auch meine Kunden. Ich habe einfach tolle Kunden. Als ich drei Monate Babypause gemacht hatte und danach den ersten Tag wieder in den Laden kam, kam ein junges Pärchen hinein, die wirklich diese drei Monate gewartet haben, weil sie unbedingt bei mir kaufen wollten.

Eine neue Idee oder eine neue Kollektion kann mich sehr beflügeln. Und natürlich, wenn diese dann auch bei den Kunden ankommt.

Würdest du sagen, dass du besondere Kunden hast oder besondere Menschen anziehst?

Schon. Mein Schmuck ist ja auch recht speziell, das macht vielleicht etwas aus. Es ist ein wenig indisch angehaucht.  Es ist kein kleiner Kundenkreis, aber schon speziell.

Was glaubst du, finden die Kunden gerade bei dir?

Ich versuche mit meinem Schmuck auch eine Geschichte mitzugeben. Mir geht es selbst so mit dem Schmuck, den ich für mich kaufe. Ich weiß dann hinterher, das habe ich da und da gekauft und es war die und die Situation und dann erinnere ich mich gerne daran, wenn ich diesen Schmuck trage.

Und das versuche ich meinen Kunden auch mitzugeben. Indem ich zum Beispiel erzähle, das ist eine Murano-Perle und Murano ist eine Insel bei Venedig. Ich erzähle auch, wo die Inspiration herkam - wie ich die Idee hatte. Und das ist dann wie ein kleines Schatzkästchen, das man um den Hals hat, mit einer Geschichte drin.

Diese Art, etwas darüber zu erzählen, ist bei mir zwar ganz automatisch entstanden, weil ich es selber so gerne mag, aber es wird auch erstaunlich gut angenommen. Und der Schmuck wird sehr geliebt.

Das ist ja auch der Unterschied zu den großen Geschäften, die massenproduzierte Ware verkaufen?

Ja, andere Hersteller haben vielleicht große Namen, aber das ist schon was anderes. Bei mir ist alles etwas persönlicher.

Gab es besondere Glücksfälle, etwas, was dir sehr geholfen hat?

Im Nachhinein war der Laden an sich schon ein Glücksfall, die Straße ist ein Glücksfall, die Nachbarschaft ist ganz toll, wir nennen die Kappengasse unter uns die „Kuschelgasse“, weil es hier so gemütlich ist. Im Sommer sitzen wir draußen auf der Straße und trinken gemeinsam einen Kaffee und wir helfen uns auch sehr aus. Aber so etwas weiß man nicht im Voraus.

Wie hast du deine Kunden gefunden oder wie erreichst du sie?

Viel über die Kunsthandwerkermärkte. Da habe ich teilweise Leute kennengelernt, die bis heute meine Stammkunden sind.

Heißt das, die Leute haben sich tatsächlich deinen Namen gemerkt und irgendwann gehört, dass du jetzt auch einen Laden hast?

Genauso. Über meine Facebook-Seite kommt tatsächlich auch einiges. Ich habe über Facebook sogar Schmuck nach Vancouver und Alaska verkauft. Meine Homepage ist auch sehr gut.

Aber meistens, denke ich, geht es eher darüber, dass meine Kunden ihren Schmuck tragen und andere sehen das und fragen, wo der Schmuck her ist.

Also viel Mund-zu-Mund-Propaganda.

Und da sind wir wieder bei dem Persönlichen.

Jetzt bist du aber auch jemand, die gern nach außen geht und mit Leuten redet. Ich weiß rein zufällig, dass Menschen immer noch davon reden, was du für eine nette Kellnerin warst, und das ist nun wirklich lange her, aber du bist nicht vergessen. Und teilweise erzählen die Cafégäste dann, dass sie heute bei dir Schmuck kaufen oder dich weiterempfehlen.

Ich merke das selber nicht so sehr, aber ich liebe Menschen und bin meistens freundlich, und das bekommt man auch zurück.

Hättest du dir auf deinem Weg etwas anders oder mehr gewünscht? Was hätte den Weg leichter gemacht?

Ich glaube, genau diese Hürden machen die Sache machbar. Manche fragen mich, ob es nicht besser gewesen wäre, gleich nach dem Abitur begonnen zu haben oder wenn ich einen Millionär geheiratet hätte…. Aber dann denke ich immer, vielleicht ist es gerade der steinige Weg  - der so steinig nun auch nicht war. Vielleicht macht genau das die Sache so besonders. Dass ich eben nicht Geld unbegrenzt zur Verfügung habe, sondern erst auf Sparflamme arbeite oder ich mir wirklich sagen kann, ich habe das alles allein gemacht, ohne Angestellte und so.

Diese Hürden machen es zu etwas Besonderem und lassen mich spüren, dass ich es wirklich genauso will. Und das Studium war wichtig, um rauszufinden, was ich wirklich will. Diese Zeit hat mir auch eine gewisse Reife gegeben, die man für die Selbständigkeit schon braucht. Ich bin eigentlich etwas dankbar dafür.

Was würdest du anderen raten, die heute mit ihrem Traumprojekt starten? Worauf sollten sie wertlegen oder was sollten sie unbedingt lassen?

Man sollte sich schon sicher sein, dass es kein Hobby ist. Das Hobby zum Beruf machen - das ist nicht so ganz ohne. Denn man muss auch viele Sachen machen, die nicht so Spaß machen. Ich will ganz ehrlich sein, Buchhaltung ist zum Beispiel nicht so meine Sache. Und es gibt auch Phasen, in denen es mir keinen Spaß mehr macht. Wenn ich große Serien für den Weihnachtsmarkt produzieren muss und es schon fast ein bisschen Fließbandarbeit wird. Wenn ich zum 100. Mal den gleichen Anhänger mache und vielleicht eher Lust hätte, was ganz Neues zu produzieren. Das macht dann weniger Spaß. Und wenn es vorher ein Hobby war, da konnte man halt eher machen, was wirklich gerade Spaß gemacht hat.

Wichtig ist auch, dass man sich selber gegenüber auch eine gewisse Zuverlässigkeit haben sollte. Wenn ich einen Laden habe, dann bin ich zu den Öffnungszeiten auch im Laden. Das nehmen manche nicht so ganz ernst.

Gibt es im Rückblick etwas, was du mit dem Wissen von heute anders machen würdest?

Nicht wirklich. Was im Moment alles etwas komplizierter macht, ist meine kleine Tochter, aber diese Tatsache  würde ich natürlich niemals anders machen wollen.

Was ist das Geheimnis deines Erfolgs oder das Herz von dem, was du machst?

Ich versuche, besondere Materialien zu verarbeiten. Ich versuche zum einen den Schmuck bezahlbar zu machen. Dann wird halt mit Silber bearbeitet und nicht mit Gold. Oder ich mache viel mit Perlen oder Papier, aktuell gerade mit indischer Brokatseide, die erschwinglich sind, aber dennoch eine besondere Ausstrahlung haben. Also hochwertige Materialien kombiniert mit meiner Kreativität. Ich hab wenig Schmuck mit Edelsteinen oder Gold.

Ich sage immer, die Leute sollen nicht entscheiden müssen, ob sie sich Schmuck oder Urlaub gönnen, sondern sie sollen mit ihrem Schmuck in Urlaub fahren können.

 

Dieses Interview mit Susanne Detemple fand im Mai 2018 statt - als Teil der Recherche für mein Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen."

Projekt Sehnsucht - Coverbild

Und manchmal kommt das Leben doch anders… Susanne hat ihren Laden wieder abgegeben, denn mit der Zeit wurde es immer klarer, dass ein Familienleben mit kleinem Kind (und bald zwei!) nicht wirklich kompatibel ist mit den Öffnungszeiten eines eigenen Ladens. Heute ist sie wieder verstärkt auf Märkten und online mit ihrem Schmuckdesign zu finden.

Idee und Design

www.idee-und-form.com

 

 

 

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte:

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