Kategorie "Berufliche Herzensprojekte"

Eine Oase in der Stadt - Herzensprojekte (14)

14.05.2019

Moccachili

In Saarbrücken gibt es ein beliebtes Café - etwas versteckt in der Nähe des Marktplatzes. Seit Jahren bin ich immer wieder dort und habe mich oft gefragt, was hier anders gemacht wird und warum ich mich hier so viel wohler fühle als in den meisten anderen Cafés. Für mein Buch „Projekt Sehnsucht“ habe ich deshalb das Gespräch mit der Inhaberin, Dorothe Schindler, gesucht.

 

Wie kamst du auf die Idee, ein Café aufzumachen?

Ich hatte viele Jahre einen Bioladen zusammen mit einigen Frauen. Früher war ich privat viel am Bodensee und da gibt es ganz viele Bio-Cafés. So hatte ich irgendwann die Idee, auch hier in Saarbrücken so etwas zu gründen. Aber damals hatte ich noch Kinder in der Schule und Familienpflichten, so dass es erstmal bei der Idee blieb. Nach meiner Zeit im Bioladen habe ich fünf Jahre in einer sozialtherapeutischen Einrichtung gearbeitet, war aber nicht so ganz froh damit. Damals dachte ich, vielleicht kommt ja doch noch mein Café. In dieser Einrichtung hatte ich auch viel im hauswirtschaftlichen Bereich gearbeitet und habe gemerkt, dass es mir gut gefällt und dass ich ein Händchen dafür habe. Als ich dann diese Stelle gekündigt hatte, war zufällig dieser Laden hier frei. Ich habe mir gesagt: „Wenn nicht jetzt, wann mache ich es dann?“ Das war vor 10 Jahren, ich war schon fast 54 Jahre alt und hatte so sehr das Bedürfnis, etwas zu tun, was mich erfüllt.

Schritt für Schritt bin ich dann die ganzen bürokratischen Wege gegangen. Meine Kinder haben mich sehr unterstützt und auch im Freundeskreis haben mich alle ermutigt. Sie hatten alle das Gefühl, dass es einfach passt. Ich wollte auch erstmal ganz klein, mit wenig Geld anfangen. Und ich habe sogar überraschenderweise einen kleinen Kredit bekommen. Existenzgründerdarlehen sind leider normalerweise nicht möglich für die Gastronomie, weil sich einfach viel zu viele in diese Branche hineinbegeben. Aber die Sachbearbeiterin fand meine Idee unterstützenswert. Das war dann endgültig mein Startschuss, denn einige Investitionen muss man ja schon tätigen und ich hatte damals nichts auf der hohen Kante. Wir haben sehr viel selbst gemacht - so wie es jetzt hier aussieht, haben wir eigentlich alles mit Freunden und Familie gestaltet. Das war eine superschöne Zeit.

Als Gast habe ich mich schon länger gefragt, was macht diese Frau anders in diesem Café? Sie hat auf jeden Fall ein Händchen für Mitarbeiter, denn sie sind immer freundlich und sehr aufmerksam auf eine unauffällige und unaufdringliche Art. Man fühlt sich immer willkommen. Niemand ist ungeduldig, auch nicht wenn man manchmal hier stundenlang bei einer Tasse Kaffee sitzen bleibt.

Mein Augenmerk richtet sich nicht nur auf den Gewinn. Mit dem Herzen dabei sein, ist für mich ganz wichtig und das Gleiche gilt für meine Mitarbeiter.

Ich muss mir keine Mitarbeiter suchen, sie kommen einfach. Ich gehe sehr nach meinem Bauchgefühl, ob sie hier auch reinpassen werden. Und wenn es dann irgendwann nicht mehr in ihren Lebensplan passt und einer geht, dann kommt gleich der Nächste, das hat sich wirklich immer wunderbar gefügt. Ich bekomme fast Gänsehaut, wenn ich das erzähle, aber es geschieht ganz viel fast von allein.

Mein Bemühen ist aber auch, dass wir das immer zusammen gestalten. Es gelingt nicht immer, aber meistens. Ich will so wenig wie möglich als Chefin von oben leiten.

Wie hast du es denn geschafft, dass das Café bekannt wurde – denn Laufkundschaft hast du in dieser versteckten Ecke ja nicht unbedingt?

Wir haben sehr wenig Werbung gemacht. Die Regel sagt, wenn man zwei Jahre durchgehalten hat, dann hat man sich etabliert und dann wissen die Leute, wo man zu finden ist. Aber die zwei ersten Jahre waren hart, erst danach haben wir etwas mehr Geld eingenommen. Wir haben vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda vertraut. Ich habe sehr viele Leute in der Bio-Branche gekannt, hatte auch öfter einen Stand auf Biohoffesten und viel Kontakt zu den Bioläden. Ich war nicht so ganz unbekannt.

Das Stichwort wäre dann Netzwerken in den unterschiedlichsten Bereichen?

Ja, auf jeden Fall. Und heute kann ich von dem Café leben, nicht sonderlich luxuriös, aber ich lebe bescheiden.

Es gehört offenbar zu den meisten Herzensprojekten, dass man nicht unbedingt reich wird, aber im besten Fall irgendwann halbwegs stabil davon leben kann.

Die Behörden und die IHK haben mir sogar alle von diesem Platz hier abgeraten. Damals waren alle der Meinung, das Zentrum der Stadt würde sich gerade zum anderen Ende der Fußgängerzone hin verlagern. Aber nach zwei Jahren ist es klar, dass gerade der Platz hier ein Ruheplatz ist, und viele Gäste sagen, sie haben hier am Brunnen im Sommer schon ein kleines Urlaubsgefühl.

Dabei war der Brunnen vor unserem Café früher ein Treffpunkt für Obdachlose. Viele Saarbrücker haben diese Ecke gemieden, weil sie sich da belästigt gefühlt haben. Alles war ein bisschen runtergekommen. Am Anfang haben die Obdachlosen mit ihren Hunden unsere Gäste etwas belästigt, das war nicht schön. Das hat sich dann Gott sei Dank geändert, sie haben sich hier nicht mehr wohlgefühlt und sich langsam zurückgezogen.

Das war aber ganz schön mutig, gerade dieses Lokal anzumieten in einer solchen Umgebung?

Ja, aber ich habe in meinem Leben häufiger etwas angefangen, von dem ich nicht wusste, wie es weitergehen wird. Und es war immer richtig. Das hat mich bestärkt.

Meinen jungen Mitarbeitern sage ich immer, ihr müsst Dinge in eurem Leben ausprobieren, auch wenn ihr keinerlei Sicherheiten habt. Wenn ihr es nicht ausprobiert, werdet ihr nie wissen, ob es etwas hätte werden können.

Als ich selbst ganz am Anfang noch gezögert habe, so ins Ungewisse zu gehen, hat mir ein junger Mann gesagt: „Überleg dir mal, was dir im schlimmsten Fall passieren könnte. Vielleicht gehst du mit 6-7000 € Schulden raus. Etwas Schlimmeres passiert dir wahrscheinlich nicht.“ Das hat mir sehr geholfen, mir wirklich klarzumachen, was mir passieren kann. Wir machen uns solche Sorgen und Gedanken. Aber in Wirklichkeit sind die Gefahren in der Regel sehr überschaubar.

Bisher ist es auch eine wirklich ganz tolle Zeit gewesen mit guten Erfahrungen - auch mit meinen Mitarbeitern, mit diesen ganzen jungen Menschen. Es sind fast nur Studenten, die sich sehr für die biologische Ernährung interessieren und die immer mehr wissen wollen. Das finde ich einfach toll. Und ich gebe auch gerne mein Wissen weiter, wenn sich jemand dafür interessiert. Mittlerweile sind es phasenweise bis zu 12 Mitarbeiter.

Was war deine ursprüngliche Vision oder Traum? Es geht ja dabei oft um mehr als ein Café?

Es ging mir auf jeden Fall um ein gutes Miteinander. Ich könnte auch in einer sozialen Einrichtung arbeiten, aber da gibt es viele Grenzen für das, was man tun kann. Ich habe die Dinge gern selber in der Hand. Es muss sich für mich richtig anfühlen.

Auch in dem Bioladen, den ich vorher gemacht habe, war es so. Das war eine superschöne Zeit, aber sie ging irgendwann zu Ende, weil die persönlichen Pläne sich verändert hatten. Das ist dann auseinandergeflossen.

Welche Ausbildung hast du?

Ich bin eigentlich pharmazeutisch-technische Assistentin, habe aber nur für eine relativ kurze Zeit in einer Apotheke gearbeitet und dann im Krankenhaus eine Schwesternlehre gemacht. Dann kam die Familienzeit - ich habe drei Kinder - und dann der Bioladen. Das passte gut zu meinem Interesse für Ernährung und biologische Produkte – und das kam wiederum durch die Kinder.

Du hast keine besondere ernährungsspezifische oder wirtschaftliche Ausbildung und dennoch war ein solches Projekt möglich?

Wenn man Interesse für etwas hat, muss man sich auf unterschiedlichster Art weiterbilden und es ausprobieren. Und dann auch tun. Einfach tun – das ist das Entscheidende.

Was sagen eure Gäste, warum kommen sie hierhin?

Viele sagen einfach, es schmeckt wie zu Hause. Was auch immer sie damit verbinden. Und man spürt doch einfach, dass alles mit Liebe zubereitet ist. Und nicht nur ich, auch die Menschen, die bei mir in der Küche arbeiten, machen das wirklich gerne. Und das macht viel aus.

Es kommen nicht nur Menschen, die biologische Produkte haben wollen, sondern die einfach sagen, es schmeckt sehr gut, es schmeckt selbstgebacken.

Was bekommt ihr denn von den Gästen? Abgesehen von Geld…

Es kommt natürlich immer mehr zurück als Geld. Ich hab mich früher viel mit dem Thema Geld beschäftigt und Arbeit ist ja eigentlich unbezahlbar. Es geht beim Arbeiten nicht darum, dass man dafür Geld kriegt, obwohl man natürlich Geld verdienen muss. Arbeit und Geld sind zwei Dinge. In unserer Gesellschaft ist es aber verknüpft. Wenn jeder seine Arbeit aus sich heraus machen würde und er hätte aber Geld - wie das Grundeinkommen - dann wäre vieles anders.

Ich glaube, die Leute spüren, dass sie hier ein bisschen mehr bekommen. Inzwischen haben wir viele Stammgäste und sie sagen uns oft, wir sollten hier bitte gar nichts ändern, sondern so bleiben, wie wir sind. Das tut schon gut, so etwas zu hören.

Gab es in diesen Jahren besondere Krisen?

Ja, schon. Ich habe am Anfang einfach viel zu viel gearbeitet, bis bestimmte Arbeitsabläufe und gewisse Strukturen festgelegt waren. Aber das war für mich ja auch Neuland. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich damals in der Woche gearbeitet habe - ich war manchmal schon recht erschöpft.

Irgendwann habe ich aber gemerkt, die Arbeit ist nicht alles, ich muss auch ein Privatleben haben. Heute arbeite ich immer noch etwas zu viel, aber ich schaffe mir Freiräume. Ich bin allerdings immer noch 5-6 Tage der Woche hier im Café.

Also schon einiges mehr als ein normaler Arbeitnehmer?

Auf jeden Fall. Die Stunden werden nicht gezählt. Aber ich bemühe mich, weniger zu machen. Denn sonst habe ich keine Kraft übrig für etwas anderes. Und auch wenn ich es gerne mache, ist das schon wichtig.

Siehst du frühere Hürden und fragst du dich aus heutiger Sicht, warum du dich damit so schwergetan hast?

Ich kann schlecht streng sein mit Mitarbeitern und musste mich schon mit dem Thema „Grenzen setzen“ auseinandersetzen. Und da gab es schon Situationen, wo es bestimmt besser gewesen wäre, ich hätte früher deutlich Bescheid gesagt.

Also muss man Dinge lernen, die man nicht so gut kann? Auch an der persönlichen Entwicklung arbeiten?

Ja, das bleibt nicht aus.

Wie hast du deine Ausdauer beibehalten? So viele Arbeitsstunden in der Woche über so viele Jahre…..

Ich habe eine Kraft in mir und die bekomme ich irgendwoher geschenkt. Ich kann das nicht erklären, und es berührt mich, darüber zu sprechen. Ich habe einfach das Gefühl, dass es eine solche Kraft gibt.

Das höre ich wirklich von vielen und finde das so spannend, dass in dem Moment, wo man das tut, was man eigentlich tun soll und was vielleicht sogar die eigene Bestimmung ist, sich tatsächlich etwas von außen öffnet, dass sich etwas fügt und dass man dann auch die Kraft hat  durchzuhalten.

Heißt das, deine Arbeit ergibt für dich einfach auch Sinn und nicht nur praktischen Sinn, sondern auch Sinnhaftigkeit im höheren Sinne?

Ja, da bin ich ganz sicher.

Was würdest du anderen raten, die heute ein Herzensprojekt starten wollen?

Sie sollen ihrem Inneren folgen. Das wahrnehmen, was aus uns heraus will. Und es ernst nehmen, es kommt ja nicht von ungefähr. Es sind die wenigsten, die ganz blauäugig etwas anfangen. Es entsteht etwas und es wächst langsam in uns. Meinen Traum vom Café hatte ich ja schon 20 Jahre vorher.

Wenn du eine Idee hast, die du wirklich gut findest, solltest du dich nicht entmutigen lassen, sondern sie zu deinem Leitbild werden lassen. Und wenn es deins ist, dann bleibst du auch dabei.

Wo siehst du denn Gefahren? Wo sollte man gut aufpassen?

Man soll schon gucken, wieviel man bereit ist zu geben. Das ist schon wichtig. Denn es ist hier irgendwo mein Leben geworden. Natürlich nicht nur, es ist aber sehr viel mehr geworden als eine Arbeitsstelle. Man kann so etwas nicht einfach nebenher betreiben.

Und was vielleicht auch wichtig ist, dass man etwas über eine gewisse Zeit entstehen lässt. Das, was hier gestaltet wurde, hat sich über Monate hin entwickelt. Es hat niemand einen Plan gemacht, wie es auszusehen hat, und das ist für mich ein sehr gesundes Gefühl. Es darf nichts Rigides sein. Es entsteht erst mit der Zeit, was wirklich zu mir und zu dem Raum passt. Ich weiß nicht, ob das jeder so empfindet, aber es ist toll, wenn man das Gefühl hat – so, jetzt stimmt es, jetzt fühlt es sich gut an.

Nimmst du dir das bewusst vor, regelmäßig neu zu überprüfen, ob alles noch stimmt, oder ist es ein kontinuierlicher Fluss?

Das ist eine gute Frage. Im Moment überlege ich tatsächlich gerade so bisschen neu. Jetzt bin ich Mitte 60 und kann mir noch nicht vorstellen, hier wegzugehen, aber irgendwann wird es so sein. Jetzt gilt es vielleicht, ganz langsam etwas Neues zu entwickeln und ein paar Dinge zu verändern. Das habe ich seit einigen Jahren nicht in dieser Art gemacht. Es war immer im Fluss.

Hättest du früher etwas anders gemacht, wenn du gewusst hättest, wo du heute stehst?

Ich glaube nicht. Höchstens hätte ich gewünscht, selbstbewusster gewesen zu sein. Dann wäre einiges leichter gewesen. Ganz am Anfang gab es Gäste, die den Kuchen zu teuer fanden. Und dann habe ich mir klargemacht, dass ein solcher Preis sein muss für die Qualität, und als es für mich klar war, es ist alles in Ordnung so, dann haben die Leute auch nicht mehr über den Preis diskutiert.

Worauf freust du dich, wenn du morgens aufstehst und die Arbeit wartet?

Auf alles! Auf die Mitarbeiter. Darauf, dass was Leckeres entsteht mit wirklich guten Lebensmitteln und dass ich sie verarbeiten darf. Es gehört alles zusammen. Ich freue mich auch auf die Gäste, die kommen und die das alles wertschätzen. Dieses Zusammenspiel macht alles aus.

Für mich war dieses Gespräch jetzt auch schön -  eine gute Gelegenheit, mir Gedanken machen zu dürfen, was gerade ist. Allein schon das Bewusstsein und  die Klarheit darüber können viel verändern.

http://moccachili.blogspot.de/

Dieses Gespräch fand statt bei der Recherche für mein aktuelles Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen."

Projekt Sehnsucht - Coverbild

www.vera-bartholomay.com

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Mut, persönliche Entwicklung

Nach-HALT-igkeit leben - Herzensprojekte (13)

08.05.2019

Christine P

Christine Pehl ist Coach und Unternehmensberaterin in Augsburg mit einem außergewöhnlichen Schwerpunkt in ihrer Arbeit.

Wie würdest du den Kern deiner Arbeit beschreiben?

Es geht mir um die innere und die äußere Nachhaltigkeit.

Die äußere Nachhaltigkeit ist bekannter. Diese Haltung will Wirtschaft, Umwelt und Soziales in Einklang bringen. Sie lässt sich als „enkeltaugliches Leben und Wirtschaften“ beschreiben, in dem Sinne, dass auch unsere Nachkommen eine gute Lebensgrundlage haben.

Seit wann interessierst du dich für das Thema Nachhaltigkeit?

Sie begleitet mich seit fast 20 Jahren. Begonnen habe ich als Referentin für Nachhaltigkeit beim Arzneimittelunternehmen betapharm. Anfang der 2000er Jahre galt betapharm als Vorbild für unternehmerische Verantwortung und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 2010 habe ich mich mit dem Wunsch selbstständig gemacht, andere Organisationen auf diesem Weg zu begleiten.

Womit noch zu klären wäre, was es mit der „inneren Nachhaltigkeit“ auf sich hat?

Über meine Arbeit wurde mir immer bewusster, dass es auch ein inneres Klima gibt. Viele Menschen sind nicht mit sich im Reinen. Es geht um grundlegende Fragen: Was macht Sinn und bereitet mir Freude, welche Werte lebe ich, wo liegen meine Talente? Ein Weg zur Klarwerdung: „Kümmere dich um dein Königreich im Inneren, der Rest wird dir dazu gegeben.“

Du bietest eine Art besonderer Unternehmensberatung an?

Ja, das ist einer von drei Bereichen: Ich begleite Organisationen im Streben nach innerer und äußerer Nachhaltigkeit. Es geht um eine bewusste Haltung, kein verordnetes Managementprogramm. Wer sich geklärt hat, wird auch im Außen nachhaltig und im Einklang mit der Umwelt handeln.

Zu diesem Themenkreis halte ich außerdem Vorträge, gebe Seminare und leite Workshops. Meine Kunden sind Unternehmen, Behörden, soziale Einrichtungen und Hochschulen und im Grunde geht es immer um das gleiche Anliegen: Wie kann ich eine wertschätzende Haltung mit Leben füllen?

Ein dritter Bereich bezieht sich auf Einzelcoachings, oft in Kombination mit körpertherapeutischen Elementen. Grundlagen meiner Arbeit sind eine intensive systemische Coachingausbildung und zwei körpertherapeutische Ausbildungen. Als besonders bereichernd für meine Kunden erweist sich die zuletzt bei dir gemachte Fortbildung „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch“.

Du beziehst also den Körper in diese Coachings mit ein? Wie geht das?

Ich nenne es Körperweisheit. Am besten lässt es sich an einem Beispiel zeigen: Eine Führungskraft aus der IT kam zu mir, um einen neuen Karriereschritt zu besprechen. Ich habe ihm angeboten, erst mit Therapeutic Touch zu arbeiten. Während der Behandlung kam mir ständig das Bild vor Augen, dass er sich alleine auf einer Wanderung befindet. Nach der Sitzung war er tief entspannt und sagte: „Am liebsten würde ich lange alleine wandern gehen“.

Später schrieb er mir, dass er ursprünglich hoffte, nach einer Stunde Coaching einen Masterplan für die neue Stelle in der Tasche zu haben. Aber jetzt habe er verstanden, dass er erst einmal Zeit für sich alleine braucht, um Dinge für sich zu klären – einen Raum zwischen diesen beruflichen Schritten.

Nach einigen Monaten meldete er sich und berichtete, dass er sich diesen Raum tatsächlich genommen hat. Als er von seiner Wanderung zurückkam, sei ihm eine neue Stelle regelrecht zugeflogen, nach der er gar nicht aktiv gesucht hatte.

So etwas passiert häufig. Die Lösungen finden sich ein.

Hast du selbst auch schon diese Erfahrung gemacht?

Ja, immer wieder. Auf meinem Berufsweg gab es auch keinen „Masterplan“, wie ihn sich mein Kunde gewünscht hatte. Die Wege ergeben sich.

Magst du an dieser Stelle ein paar Worte zu deinem Werdegang sagen?

Ich habe Geschichte und Politikwissenschaft studiert, weil ich Systeme besser verstehen wollte. Familiär gibt es eine unternehmerische Prägung, da meine Eltern eine Maschinenbaufirma hatten.

Nach dem Studium stellte ich mir die Sinnfrage. Als ich mich bei betapharm vorstellte, war der damalige Geschäftsführer von meiner Begeisterung für nachhaltiges Wirken so angetan, dass er mir dafür eine Stelle anbot, die es im Unternehmen noch gar nicht gab. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und erfahren, wie es sich anfühlt, wenn Nachhaltigkeit wirklich gelebt wird.

Bis heute gilt betapharm als Lehrstück und wird an Lehrstühlen und in Business Schools beschrieben.

Wie ging dann deine berufliche Erfahrungsreise weiter?

Nun stellte sich die Frage, ob ich die Maschinenbaufirma meiner Eltern übernehme. Mein Vater und ich haben dann den Betrieb zwei Jahre gemeinsam geführt. Bald war mir klar, dass die Leitung eines Unternehmens mich nicht auf Dauer erfüllen würde. Durch viele Gespräche mit den Mitarbeitern ergab sich die wunderbare Lösung der Betriebsübergabe an die langjährigen Meister – eine gute Entscheidung, da der Betrieb bis zum heutigen Tag besteht. Dieser Prozess ermöglichte mir tiefe Einblicke in unternehmerisches Handeln und das Vertrauen, gemeinsam viel erreichen zu können. Mein Herz schlug weiter für die Nachhaltigkeit.

Nach dieser Erfahrung im elterlichen Betrieb blieb es weiter spannend – du warst Gründungsmitglied bei Papilio, einem besonderen Unternehmen. Wie kam das?

Mir wurde immer klarer, wie wichtig die innere Entwicklung ist. „Papilio“ ist ein Sozialunternehmen, das die sozial-emotionalen Kompetenzen von Kindern fördert. Grundlegende Impulse, die bis ins Erwachsenenalter fortwirken. Dieses Wissen ist für meine heutige Arbeit unentbehrlich. Während dieser Zeit erkannte ich auch den hohen Wert von Kooperation und Netzwerkarbeit.

Nach all diesen wichtigen Etappen, mit betapharm, dem Familienunternehmen und Papilio hast du dann Mitte 2012 eine ungewöhnliche Reise angetreten…

Ja, es gab eine „äußere und innere Reise“. Mit dem Zug und ganz wenig Gepäck fuhr ich drei Monate ohne feste Ziele, rein intuitiv, durch Europa. Auf dieses Abenteuer folgten drei Monate starker Rückzug. Innerlich neu sortiert spürte ich, wohin „die Reise jetzt geht“. Dann bin ich umgezogen, habe mich von vielem getrennt und angefangen, minimalistisch zu leben.

Seit 2013 steht mein aktuelles Konzept.

Ist es so, dass sich neue Möglichkeiten ergeben, wenn man wirklich für etwas brennt?

Ja, denn die persönlichen Gaben und Talente ermöglichen einen ureigenen Weg.

Wie findest du deine Kunden und deine Auftraggeber dich?

Die meisten Aufgaben entstehen im Miteinander. Über Menschen, die mich von früher kennen, über Empfehlungen und natürlich Netzwerke. Ich mache eine fast spielerische Netzwerkarbeit, gehe überall hin, wo mir etwas interessant scheint. „Im Gespräch und präsent sein“ und daran anknüpfen – dann entsteht etwas.

Du sprichst auch manchmal von Resonanz als Wirkprinzip in deiner Arbeit?

Ja, genau. Zum „inneren Horchen“ gehört auch ein Hinhören auf alles, was von außen kommt: Stimmen von Menschen, denen ich in Unternehmen und auf Veranstaltungen begegne. Resonanz bedeutet ja Mitschwingen, eine Atmosphäre, die Zusammenarbeit begünstigt oder nicht.

Woher weiß man, welche Kunden und welches Umfeld am besten zu einem passen?

Entscheidend ist, sich die richtigen Fragen zu stellen. In meinem Fall, ob ich lieber mit Konzernen, Mittelständlern oder Handwerksbetrieben arbeiten möchte. Sehe ich mich im Einzelgespräch oder vor Gruppen? Alleine, im Team oder mit Partnern? Ich kooperiere zum Beispiel sehr gerne.

Wie entstehen denn für dich wichtige Kooperationen?

Zum Beispiel beim Lesen zum Thema Nachhaltigkeit. Einmal bin über einen wunderbaren Artikel gestolpert, habe spontan den Journalisten kontaktiert, und im Dialog entwickelten wir dann einen gemeinsamen Beitrag.

In den Printmedien sind ja schon einige Artikel zu deiner Arbeit erschienen. Konntest du über diesen Weg viele Neukunden gewinnen?

Die Menschen finden über verschiedene Kanäle zu mir. Ob es ein Artikel im Fachbuch, ein Gespräch im Radio oder mein Webauftritt ist, aus allen Aktivitäten in der Öffentlichkeit kann etwas entstehen.

Gab es auf deinem Weg auch Ängste oder Bedenken? Wie viel Mut ist erforderlich?

In der ersten Zeit hatte ich innerlich viel zu kämpfen und habe mir viele Fragen gestellt. Ob ich überhaupt für eine Selbstständigkeit geeignet bin und finanziell auf eigenen Beinen stehen kann, ohne geregeltes Einkommen. Das zeigt sich aber erst, wenn man es lebt. Anfangs konnte ich nicht einschätzen, ob die Menschen mein Thema überhaupt wollen. Mut entsteht durch das Tun. Sich immer wieder trauen, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Wie bist du mit Rückschlägen umgegangen?

Es erscheint mir besonders wichtig, „Dranbleiber“-Qualitäten zu entwickeln und täglich etwas für die Unternehmung zu tun. Manchmal geht man wie durch Nebel. Mir half das Bild, „den Kahn ins Wasser ziehen“; wenn er dann schwimmt, geht es viel leichter.

Würdest du heute im Rückblick etwas anders machen?

Ich habe mit Herz und Verstand mein Bestes gegeben, doch mit heutigem Wissen würde ich mir früher fachliche Unterstützung holen, in Form von Coachings oder Supervisionen. Man muss nicht alles im stillen Kämmerlein mit sich ausmachen.

Was würdest du anderen raten, die heute mit ihrem Traumprojekt loslegen?

Den wahren Beweggrund gut herauszufiltern. Es ist wichtig, ehrlich mit sich zu sein. Ich beobachte, dass manche eher aus einem „Nein“ heraus starten, zum Beispiel, weil sie den Chef nicht mehr ertragen. Wichtiger wäre zu erkennen, was mich bewegt und antreibt. Dafür braucht es Raum und Zeit. Entscheidend ist auch, offen zu sein, für das, was noch entstehen will.

Was würdest du als Herzstück deiner Arbeit bezeichnen?

Ich darf mit meiner Arbeit Bewusstseinswandel mitgestalten. Es ist schön, wenn ich meine Kunden inspiriere und sie mich, wenn äußere Nachhaltigkeit aus der inneren entsteht. Ich liebe meine Arbeit.

www.pehl-beratung.de/

Dieses Gespräch mit Christine Pehl fand statt bei der Recherche für mein Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen".

Projekt Sehnsucht - Coverbild

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Heilsame Berührung, persönliche Entwicklung, Therapeutic Touch

"Die beste Werbung macht man auf dem Meditationskissen" - Herzensprojekte (12)

24.04.2019

TinaS

Dieses Gespräch mit der Künstlerin Tina Stein findet in ihrem Atelier in Saarbrücken statt. Gerade hat einer ihrer vielen Malkurse hier stattgefunden - zu dem heutigen gehöre auch ich seit vielen Jahren. Mit 10-12 Frauen haben wir in tiefster Konzentration an unseren Bildern gearbeitet, dabei immer wieder auch zu den gerade entstehenden Werken der anderen Frauen geschaut, mal Inspiration geholt, mal einfach bewundert, was da gerade erscheint. Immer begleitet von Tina Stein mit ihrem großen Gespür dafür, in welchem Prozess sich die einzelne Frau gerade befindet und wann sie eine kleine Hilfestellung braucht. Es ist fast magisch, wie jede Schülerin es immer wieder schafft, hier etwas Ureigenes sichtbar zu machen. Denn es geht in diesen Kursen nie darum, eine Aufgabe „richtig“ umzusetzen oder einem vorgegebenen Konzept zu folgen. Sondern den tiefen, inneren Weg zu finden und auf der Leinwand sichtbar zu machen.

 

Warum hast du mit deinem Malatelier angefangen?

Ursprünglich war mein Traum einfach nur zu malen. Aber während des Kunststudiums habe ich gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, mit Menschen zu arbeiten und sie in ihren eigenen Malprozessen zu begleiten. Es gibt ein so großes menschliches Entwicklungspotenzial, das durch die Malerei initiiert werden kann.

Ich kam aus dem Friseurberuf. Mein Vater hatte ein Friseurgeschäft und ich sollte die Familientradition weiterführen. So bin ich mehr oder weniger „freiwillig reingezwungen“ worden und habe ganz brav meinen Eltern versprochen, die Lehre auf jeden Fall zu Ende zu machen. Aber danach war ich frei zu tun, was ich wollte. Es war dennoch ein großes Glück, dass ich in diesen Handwerksberuf gezwungen wurde. Das hat mir nicht nur eine kleine finanzielle Grundlage gegeben, sondern auch ein gewisses Standing im Berufsleben ermöglicht. Als junge Frau konnte ich dort lernen, wie es in einem wirklichen Beruf ist. Ich lernte zum Beispiel einen guten Umgang mit Kunden. Denn auch wenn ich unterrichte, bin ich ja Dienstleister. Ich will damit sagen, dass die Wege, die einem erst als die falschen erscheinen, sich dann hinterher doch als ganz sinnvoll erweisen.

Konntest du sofort von deinem Atelier leben?

Nein, natürlich nicht. Am Anfang waren es nur zwei Gruppen und die bestanden auch mehr oder weniger aus dem erweiterten Bekanntenkreis. Aber ich hatte ja zum Glück meinen Friseurberuf und habe mir sozusagen meine Berufung mit meinem ersten Beruf finanziert. Mal mit kleinen Aushilfsjobs, mal privat mit Freudinnen als Tauschgeschäft. Gerade in den ersten Jahren habe ich auch viel selbst gemalt und viele Ausstellungen gehabt. Sobald die Malschule immer besser lief, habe ich mich aber immer mehr darauf konzentriert und jetzt gibt es die Schule schon 20 Jahre.

Wie kamen die Leute zu dir?

Um ganz ehrlich zu sein, fast nur über zufriedene Schüler, die ganz begeistert von der Schule erzählt haben. Und natürlich auch durch die Tatsache, dass meine Schüler schöne Arbeiten selbst gestaltet haben und diese dann zu Hause aufhängt und anderen gezeigt haben.

Was ist noch wichtig, wenn man Kunden gewinnen will?

Man muss die Bereitschaft haben, etwas zu geben - und zwar aus vollem Herzen. Ich hab das oft bei Kollegen festgestellt, die irgendwann meinten, sie müssten jetzt auch mit Kursen anfangen. Wenn sie dabei aber eher eine Nehmer-Persönlichkeit haben, kann es nicht gelingen. Diese Kollegen haben ihre Angebote dann nie so richtig auf die Beine stellen können.

Und dann gibt es die feinstoffliche Ebene - das, was man selbst ausstrahlt. In Phasen, in denen ich wenig Kapazität hatte für andere, weil ich mit mir selbst oder mit anderen Themen beschäftigt war, hat sich die Schülerzahl minimiert, bis ich wieder mehr Kapazität hatte und offen war für neue Leute. Und dann ging es wieder in die andere Richtung.

Die beste Werbung macht man auf dem Meditationskissen. Ich glaube, wenn man sich selbst als Persönlichkeit weiter entwickelt, bekommt man ein anderes und größeres Energiefeld. Und das, was man geben möchte, muss sich in diesem Feld manifestiert haben. Solange ich nur etwas weitergeben möchte, was ich gelernt habe, was sich aber nicht als innerste, ureigene Fähigkeit in meinem Energiefeld manifestiert hat, hat es noch keine energetische Wirklichkeit bekommen. Und erst wenn es im Energiefeld eine feinstoffliche Form bekommen hat, kann es sich auch im Physischen manifestieren.

Das heißt, du musst es selbst GEWORDEN sein?

Ja, genau.

Bedeutet das für dich, statt mehr Werbung und mehr Herumwirbeln sollte man schauen, ob man das wirklich integriert hat, was man gelernt hat?

Genau. Und ich denke, man sollte es auch nicht nur ein bisschen wollen, sondern das ganze Eigene sollte dahin streben. Also nicht nur denken, dass es jetzt ein schickes Angebot wäre, oder eine Alternative für mich, weil ich nicht mehr in meinem bisherigen Beruf arbeiten will. Es muss im Inneren und wirklich aus dem Herzen gewachsen sein. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass alles, was im Herzen gereift ist – also unser Herzensweg – immer gelingen wird. Man wird nicht immer reich dabei und der Weg ist bestimmt auch steinig, aber das Herzensthema wird mit Sicherheit Resonanz finden.

Was tief aus dem Herzen hinauswill ist aber ein Entwicklungsweg. Es gehört einiges an Arbeit dazu - von der ersten Tuchfühlung mit etwas bis es in die Tiefe hineingekommen ist. Bis man das lebt, was man sein will und was man nach Außen geben will.

Gab es denn für dich eine besondere Schwelle auf deinem beruflichen Weg, etwas, was besonders viel Mut gekostet hat?

Es kostet immer Mut, wenn man sich auf etwas Neues einlässt.

Aber es gibt noch etwas. Andere sagen mir, ich wäre so wahnsinnig mutig, aber ich bin gar nicht mutig, ich drehe die Dinge nur so lange in mir, bis ich Sicherheit gewonnen habe. Das ist nicht ein Zustand des Wollens oder Wünschens, sondern das ist eine sichere Gewissheit. Dieser Zustand ist ganz still. Wenn er erreicht ist, braucht man überhaupt keinen Mut mehr, denn es gibt an diesem Ort keinerlei Zweifel.

Natürlich gibt es die alltäglichen Zweifel, die einen von der Seite erwischen. Die Angst, dass etwas schief gehen kann. Aber das ist eine äußere Ebene. Und der Ort der Gewissheit ist überhaupt nicht davon beeinflusst. Man muss diesen Ort bloß immer wieder finden und noch mal dorthin zurückfinden, wenn man sich verirrt hat.

Solange dieser innere Gewissheitsort noch leicht angegriffen werden kann, ist man noch nicht so weit.

Und wie findet man diesen Ort in sich?

Indem man einfach dahin geht. Ich kann das nicht anders sagen. Es gibt ihn schon in jedem Menschen. Manchmal entdeckt man diesen Ort aber auch mit Meditation oder Innenschau.

Ist es das, was sich ganz stimmig anfühlt? Oder hat es etwas mit höherer Bestimmung zu tun? Oder das Gefühl, ganz bei meinem Ureigenen anzukommen?

Ja, bestimmt auch. Aber ich würde es nicht „höher“ nennen, denn es ist ja nicht höher. Sonst wäre es so weit von mir weg. Ich will ja nicht von mir weg und irgendwo hoch. Sondern eher im Gegenteil.

Kann man es deinen Wesenskern nennen? Das Gefühl, dass du an deinem Wesenskern angelangt bist und dass diese anstehende Entscheidung oder dieser Schritt dazu gehört?

Ja, so was kommt schon näher.

Ich sage dann, ich gehe mit etwas schwanger. Das kann bei manchen Sachen Jahre dauern. Und wenn der ganz stimmige Moment da ist, dann geht alles ganz schnell und es ist immer gut. Das heißt,  die Reifezeit ernst nehmen. Sie ist mal kürzer und mal länger, aber sie ist wichtig.

Manchmal sind es ja richtige Nebelphasen.

Auch das ist wichtig, damit es sich danach lichten kann. Es brütet ja im Nebel weiter. Man muss solche Phasen würdigen und wissen, dass sie ein Teil des Weges sind.

Es gab bestimmt auch Menschen aus deinem Umfeld, die an dir und deinen Plänen gezweifelt haben.

Ich habe im Laufe dieser vielen Jahre gelernt, meinen Mund zu halten. Wenn ich mit neuen Plänen „schwanger“ gehe, rede ich immer weniger darüber oder nur mit ganz wenigen Menschen. Diese muss ich ganz sorgfältig auswählen. Und ansonsten halte ich mich sehr bedeckt, um meine Energie zu halten. Am Anfang habe ich ganz viel über solche Dinge geredet und dann kommen diese Zweifler nicht nur aus einem selbst, sondern aus dem ganzen Umfeld mit Sprüchen wie „das kann ja nicht funktionieren“. So bin ich immer mehr dahinter gekommen, dass ich es besser für mich behalte. Und ich habe gemerkt, dass die Energie dadurch auch viel stärker wird. Im Außen saugen die Zweifler Energie ab und man strömt auch selber Energie raus, indem man sich nicht nur mit seinen eigenen Sachen auseinandersetzt, sondern auch mit den Zweifeln der anderen. „Die Energie bündeln“ nenne ich das immer. Und Sprache ist ein enormes Feld, in dem Energie verloren gehen kann.

Oder ich stelle nur konkrete Fragen an einzelne Personen für Punkte, in denen ich unsicher bin. Aber es ist schon auch wichtig, andere Meinungen zu hören. Deshalb geht man ja in Kommunikation, aber man öffnet den inneren Energiekern nicht. Und die Antworten kann man dann für sich nehmen oder auch nicht.

Gab es Krisen unterwegs?

Krisen sind ganz normal. Zu allem gehören auch Krisen dazu. Alles bewegt sich in einem auf und ab, wie in einer Sinuskurve, und das ist bei mir natürlich genauso gewesen. Es gibt Phasen, in denen ich mehr Ideen habe, in denen ich mich besser mit meiner Arbeit verbinden kann, und dann die ganz anderen Phasen.

Gab es keine dramatische Situation, in der du an deinem Weg gezweifelt hast?

Doch schon. Aber immer, wenn ich gezweifelt habe, kam irgendetwas von außen. Entweder viel positive Resonanz oder viele Leute, die in meine Kurse kommen wollten. Es kam immer ein Zeichen, das mir gezeigt hat, dass dies eigentlich mein Weg ist und dass es Lösungen gibt. Auch wenn ich jetzt vielleicht gerade einen Durchhänger habe. Ich hatte immer wieder das Gefühl, ich werde erneut auf meinen Weg gestellt. Es gilt aber, in solchen Situationen überhaupt wahrzunehmen, dass etwas Positives kommt. Also die Magie des Alltags lesen lernen. Irgendwie kriegt man immer Antworten, man muss nur die Ohren und die Augen aufhalten.

Die größten Zweifel hatte ich eher nicht im Unterrichten, sondern an mir als Malerin. Denn das geht ja eine Nummer tiefer. Und dann habe ich das natürlich auf meinen Unterricht übertragen. Wenn ich als Malerin in meinen eigenen Augen nicht gut bin, was kann ich dann geben? Wenn aber so ganz schlimme malerische Krisen kamen, und ich dachte, ich kann gerade gar nichts, dann geschah immer wieder etwas. Ich habe ein Bild verkauft oder irgendwas Schönes gehört.

Obwohl ich mir vorstelle - gerade in einem künstlerischen Beruf wie Malerin - da wäre es doch geradezu eine Katastrophe, wenn man diese Zweifel nicht hätte?

Ja, das sehe ich auch so. Denn wenn du nicht in deine tiefsten Schichten abtauchst und durch dunkle Wälder gehst, dann kann es auch nicht wirklich gute Malerei werden.

Und da sind wir wieder beim Thema am Anfang. Es muss in deinem Energiefeld manifest sein. Immer wenn man zutiefst innere Fähigkeiten ausbildet, muss man immer wieder durch das Tief durch. Wo alles verbrennt und zu Asche wird. Um dann daraus hervorzusteigen wie ein Phönix aus der Asche – dieses Bild habe ich immer wieder vor Augen.

Ich denke, gerade als unterrichtende Person ist es ganz wichtig, dass du um diese Krisen weißt, denn sonst kannst du nicht Menschen begleiten, die bei dir etwas lernen und dann auch durch solche Krisen durchgehen.

Ja, in dem Zustand ist ja immer mindestens eine Person im Malkurs. Oder auch die ganze Gruppe. Und die spüren sehr genau, dass du das kennst. Denn sonst könnten sie sich nicht öffnen, sie würden es vielleicht noch nicht mal spüren können.

Man muss auch ein Verständnis dafür entwickeln, dass diese Phasen normal sind. Wenn sie nicht kommen, geht man nicht in eine bestimmte Tiefe hinein. Das heißt, man kann eigentlich sogar dankbar sein, wenn solche Krisen kommen. Diese Zeiten, in denen das übliche Repertoire, was man sonst so abspult, einfach nicht greift, in denen man nichts zu greifen kriegt. Da muss man einfach durch und dann kommt irgendwann die Inspiration und es kann weitergehen.

Was hat dir besonders geholfen?

Das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich habe schon von Anfang an gemerkt, wenn ich etwas unterrichte, habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich Dinge sage und erkläre, von denen ich nicht weiß, woher ich es wirklich weiß. Irgendwie bekomme ich die notwendigen Informationen von wo auch immer. Und daraus ist ein ganz tiefes Vertrauen gewachsen.

Was würdest du Menschen raten, die gerade ihren Herzensweg beginnen?

Das Wichtigste ist, dass es wirklich ein Herzensweg ist.

http://www.tinastein.de/

Dieses Gespräch fand statt bei der Recherche für das Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen".

Projekt Sehnsucht - Coverbild

www.vera-bartholomay.com

 

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Als Medienagentin die passenden Menschen zusammenbringen - Herzensprojekte (11)

20.04.2019

ElkeBrand

Ein Gespräch mit Elke Brand - Inhaberin der Medienagenturen „Scripts for sale“ und „Scripts for soul“ in Hamburg.

Was ist der Schwerpunkt deiner beiden Medienagenturen?

Die Hauptarbeit bei „Scripts for sale“ besteht vor allem in der Vermittlung von Drehbüchern. Das heißt, ich bringe Autoren mit geeigneten Produzenten und Sendern zusammen. Gerade neu hinzugekommen ist auch die Vermittlung von Regisseuren, also den passenden Regisseur zu einzelnen Filmprojekten zu finden.

In der zweiten Agentur „Scripts for soul“ geht es um die Vermittlung von Büchern über Spiritualität und Lebensthemen (Body, Mind & Spirit). Das ist so ein bisschen mein Bonbon, weil es mich persönlich besonders interessiert.

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Bestatterin als Beruf und Berufung - Herzensprojekte (10)

15.04.2019

Susanne Eckl

„Ein tiefes Einlassen auf das Leben und die Endlichkeit.

Auf das Unfassbare und Unbegreifliche.

Im Leben, wie im Sterben und im Tod.“

 

Mit diesen Worten lernen wir Susanne Eckl auf ihrer Website kennen. Wer ist diese außergewöhnliche Bestatterin?

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