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Die heilige Wunde

12.02.2024

Wie können Wunden „heilig“ sein?

Der Begriff stammt aus der indianischen Tradition. Dort ist man der Meinung, dass Eltern die Aufgabe hätten, ihren Kindern eine „heilige Wunde“ zuzufügen, an deren Bewältigung die Kinder wachsen und reifen könnten.

Jetzt wollen wir hier natürlich nicht so weit gehen, unrechte oder übergriffige Handlungen von Eltern oder anderen mehr oder weniger nahestehenden Personen „heiligzusprechen“. Tatsache ist aber, dass uns allen im Leben – nicht nur von den Eltern – etwas angetan wurde, was eine tiefe, oft lebenslange (seelische) Wunde bei uns hinterlassen hat. Und diese Wunde führte oft dazu, dass Lebensentwicklungen anders verliefen, dass wir andere Entscheidungen getroffen haben, als wenn wir das mehr oder weniger schwere Trauma nicht erlitten hätten.

Wozu haben diese Wunden im guten Sinne geführt?

Oft erkennen wir erst rückblickend in einem etwas reiferen Alter, warum manche Entwicklungen so und nicht anders verliefen. Es geht keineswegs darum, schönzureden oder gar gutzuheißen, was uns angetan wurde, sondern darum, auch die Chance und den möglichen Gewinn zu erkennen, die in der Verarbeitung dieser Wunde lagen.

Was dadurch vielleicht auf den Weg gebracht wurde, was man sonst nicht geschafft hätte. Vielleicht eine größere Unabhängigkeit, mehr Mut, ein Kampf gegen Ungerechtigkeit, der Wunsch, Kindern heute eine bessere Chance zu geben. Die Widerstandskraft – Resilienz –, die Stärke zu erkennen, die uns aus ebendieser Wunde erwuchs, und diese Stärke auch zu würdigen. Die alte schmerzende Wunde sozusagen „in Gold umzuwandeln“.

Wie erkenne ich, ob ich eine heilige Wunde in mir trage?

Es sind nicht immer Erinnerungen an traumatische Ereignisse. Oft sind es die kleinen alltäglichen Vorkommnisse, die so normal waren, dass wir ihnen heute keine besondere Bedeutung beimessen. Die kleinen Sticheleien, wenn man nicht den Ansprüchen genügte – nicht klug genug war, nicht hübsch genug, sportlich genug, nicht schnell genug. Heute erkennt man die Wunden oft an aktuellen Situationen, die größere Emotionen auslösen als das, was einem für die momentane Lage angemessen erscheint. Worte, die uns heute tief kränken oder verunsichern, obwohl sie vielleicht gar nicht böse gemeint waren.

So reagiert ein Geschäftsführer einer mittelständischen Firma heute noch leicht panisch, wenn ihm vermittelt wird, er würde ein Problem nicht schnell genug lösen. Obwohl er nach außen hin absolut selbstbewusst und souverän erscheint, erinnern ihn diese als unterschwelligen Vorwürfe empfundenen Botschaften an Situationen in seiner Kindheit, in denen er manchmal etwas Zeit brauchte, bis er wusste, wie er eine Aufgabe lösen könnte. Heute merkt er an seinen anschwellenden Aggressionen, wenn diese alte Wunde wieder einmal getroffen wurde.

Beobachte gelegentlich, wie manche erwachsene Menschen reagieren, wenn sie eine kleine Prüfung absolvieren sollen. Ansonsten freundliche, ausgeglichene Personen werden plötzlich panisch oder aggressiv oder haben nur noch eine große Leere im Kopf. Hier wird die alte Wunde der kindlichen, meist schulischen Prüfungen wieder zum Leben erweckt, und das verzweifelte Gefühl sagt ihnen nur noch: „Ich bin nicht gut genug.“ Ich kenne reife und sehr kluge Menschen, die Fortbildungen bewusst nicht besuchen, wenn diese mit einer Prüfung abschließen. Oder die Wochen davor nachts schweißgebadet aufwachen. Es geht dann nicht mehr um wirkliches Wissen oder Können – denn das ist meist mehr als reichlich vorhanden.

 

Mehr über die heilige Wunde findest du in meinem Buch „Heilsame Berührung von Körper, Herz und Seele“. https://lebensgut-verlag.de/heilsame-beruehrung/

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Ich bin Vera Bartholomay - Autorin, Seminarleiterin und Therapeutin mit Themen wie persönliche Entwicklung und ganzheitliche Körperarbeit. Meine Bücher sind: „Heilsame Berührung von Körper, Herz und Seele“, „Herzen berühren – Sehnsucht nach tiefen Begegnungen“ und „Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen“.

www.vera-bartholomay.com

 

Kategorien: Persönlichkeitsentwicklung | Schlagworte: Bücher, Heilsame Berührung, Heilung, Lebensfragen, persönliche Entwicklung, Vergangenheit

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