Schlagwort "persönliche Entwicklung"

"Die beste Werbung macht man auf dem Meditationskissen" - Herzensprojekte (12)

24.04.2019

TinaS

Dieses Gespräch mit der Künstlerin Tina Stein findet in ihrem Atelier in Saarbrücken statt. Gerade hat einer ihrer vielen Malkurse hier stattgefunden - zu dem heutigen gehöre auch ich seit vielen Jahren. Mit 10-12 Frauen haben wir in tiefster Konzentration an unseren Bildern gearbeitet, dabei immer wieder auch zu den gerade entstehenden Werken der anderen Frauen geschaut, mal Inspiration geholt, mal einfach bewundert, was da gerade erscheint. Immer begleitet von Tina Stein mit ihrem großen Gespür dafür, in welchem Prozess sich die einzelne Frau gerade befindet und wann sie eine kleine Hilfestellung braucht. Es ist fast magisch, wie jede Schülerin es immer wieder schafft, hier etwas Ureigenes sichtbar zu machen. Denn es geht in diesen Kursen nie darum, eine Aufgabe „richtig“ umzusetzen oder einem vorgegebenen Konzept zu folgen. Sondern den tiefen, inneren Weg zu finden und auf der Leinwand sichtbar zu machen.

 

Warum hast du mit deinem Malatelier angefangen?

Ursprünglich war mein Traum einfach nur zu malen. Aber während des Kunststudiums habe ich gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, mit Menschen zu arbeiten und sie in ihren eigenen Malprozessen zu begleiten. Es gibt ein so großes menschliches Entwicklungspotenzial, das durch die Malerei initiiert werden kann.

Ich kam aus dem Friseurberuf. Mein Vater hatte ein Friseurgeschäft und ich sollte die Familientradition weiterführen. So bin ich mehr oder weniger „freiwillig reingezwungen“ worden und habe ganz brav meinen Eltern versprochen, die Lehre auf jeden Fall zu Ende zu machen. Aber danach war ich frei zu tun, was ich wollte. Es war dennoch ein großes Glück, dass ich in diesen Handwerksberuf gezwungen wurde. Das hat mir nicht nur eine kleine finanzielle Grundlage gegeben, sondern auch ein gewisses Standing im Berufsleben ermöglicht. Als junge Frau konnte ich dort lernen, wie es in einem wirklichen Beruf ist. Ich lernte zum Beispiel einen guten Umgang mit Kunden. Denn auch wenn ich unterrichte, bin ich ja Dienstleister. Ich will damit sagen, dass die Wege, die einem erst als die falschen erscheinen, sich dann hinterher doch als ganz sinnvoll erweisen.

Konntest du sofort von deinem Atelier leben?

Nein, natürlich nicht. Am Anfang waren es nur zwei Gruppen und die bestanden auch mehr oder weniger aus dem erweiterten Bekanntenkreis. Aber ich hatte ja zum Glück meinen Friseurberuf und habe mir sozusagen meine Berufung mit meinem ersten Beruf finanziert. Mal mit kleinen Aushilfsjobs, mal privat mit Freudinnen als Tauschgeschäft. Gerade in den ersten Jahren habe ich auch viel selbst gemalt und viele Ausstellungen gehabt. Sobald die Malschule immer besser lief, habe ich mich aber immer mehr darauf konzentriert und jetzt gibt es die Schule schon 20 Jahre.

Wie kamen die Leute zu dir?

Um ganz ehrlich zu sein, fast nur über zufriedene Schüler, die ganz begeistert von der Schule erzählt haben. Und natürlich auch durch die Tatsache, dass meine Schüler schöne Arbeiten selbst gestaltet haben und diese dann zu Hause aufhängt und anderen gezeigt haben.

Was ist noch wichtig, wenn man Kunden gewinnen will?

Man muss die Bereitschaft haben, etwas zu geben - und zwar aus vollem Herzen. Ich hab das oft bei Kollegen festgestellt, die irgendwann meinten, sie müssten jetzt auch mit Kursen anfangen. Wenn sie dabei aber eher eine Nehmer-Persönlichkeit haben, kann es nicht gelingen. Diese Kollegen haben ihre Angebote dann nie so richtig auf die Beine stellen können.

Und dann gibt es die feinstoffliche Ebene - das, was man selbst ausstrahlt. In Phasen, in denen ich wenig Kapazität hatte für andere, weil ich mit mir selbst oder mit anderen Themen beschäftigt war, hat sich die Schülerzahl minimiert, bis ich wieder mehr Kapazität hatte und offen war für neue Leute. Und dann ging es wieder in die andere Richtung.

Die beste Werbung macht man auf dem Meditationskissen. Ich glaube, wenn man sich selbst als Persönlichkeit weiter entwickelt, bekommt man ein anderes und größeres Energiefeld. Und das, was man geben möchte, muss sich in diesem Feld manifestiert haben. Solange ich nur etwas weitergeben möchte, was ich gelernt habe, was sich aber nicht als innerste, ureigene Fähigkeit in meinem Energiefeld manifestiert hat, hat es noch keine energetische Wirklichkeit bekommen. Und erst wenn es im Energiefeld eine feinstoffliche Form bekommen hat, kann es sich auch im Physischen manifestieren.

Das heißt, du musst es selbst GEWORDEN sein?

Ja, genau.

Bedeutet das für dich, statt mehr Werbung und mehr Herumwirbeln sollte man schauen, ob man das wirklich integriert hat, was man gelernt hat?

Genau. Und ich denke, man sollte es auch nicht nur ein bisschen wollen, sondern das ganze Eigene sollte dahin streben. Also nicht nur denken, dass es jetzt ein schickes Angebot wäre, oder eine Alternative für mich, weil ich nicht mehr in meinem bisherigen Beruf arbeiten will. Es muss im Inneren und wirklich aus dem Herzen gewachsen sein. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass alles, was im Herzen gereift ist – also unser Herzensweg – immer gelingen wird. Man wird nicht immer reich dabei und der Weg ist bestimmt auch steinig, aber das Herzensthema wird mit Sicherheit Resonanz finden.

Was tief aus dem Herzen hinauswill ist aber ein Entwicklungsweg. Es gehört einiges an Arbeit dazu - von der ersten Tuchfühlung mit etwas bis es in die Tiefe hineingekommen ist. Bis man das lebt, was man sein will und was man nach Außen geben will.

Gab es denn für dich eine besondere Schwelle auf deinem beruflichen Weg, etwas, was besonders viel Mut gekostet hat?

Es kostet immer Mut, wenn man sich auf etwas Neues einlässt.

Aber es gibt noch etwas. Andere sagen mir, ich wäre so wahnsinnig mutig, aber ich bin gar nicht mutig, ich drehe die Dinge nur so lange in mir, bis ich Sicherheit gewonnen habe. Das ist nicht ein Zustand des Wollens oder Wünschens, sondern das ist eine sichere Gewissheit. Dieser Zustand ist ganz still. Wenn er erreicht ist, braucht man überhaupt keinen Mut mehr, denn es gibt an diesem Ort keinerlei Zweifel.

Natürlich gibt es die alltäglichen Zweifel, die einen von der Seite erwischen. Die Angst, dass etwas schief gehen kann. Aber das ist eine äußere Ebene. Und der Ort der Gewissheit ist überhaupt nicht davon beeinflusst. Man muss diesen Ort bloß immer wieder finden und noch mal dorthin zurückfinden, wenn man sich verirrt hat.

Solange dieser innere Gewissheitsort noch leicht angegriffen werden kann, ist man noch nicht so weit.

Und wie findet man diesen Ort in sich?

Indem man einfach dahin geht. Ich kann das nicht anders sagen. Es gibt ihn schon in jedem Menschen. Manchmal entdeckt man diesen Ort aber auch mit Meditation oder Innenschau.

Ist es das, was sich ganz stimmig anfühlt? Oder hat es etwas mit höherer Bestimmung zu tun? Oder das Gefühl, ganz bei meinem Ureigenen anzukommen?

Ja, bestimmt auch. Aber ich würde es nicht „höher“ nennen, denn es ist ja nicht höher. Sonst wäre es so weit von mir weg. Ich will ja nicht von mir weg und irgendwo hoch. Sondern eher im Gegenteil.

Kann man es deinen Wesenskern nennen? Das Gefühl, dass du an deinem Wesenskern angelangt bist und dass diese anstehende Entscheidung oder dieser Schritt dazu gehört?

Ja, so was kommt schon näher.

Ich sage dann, ich gehe mit etwas schwanger. Das kann bei manchen Sachen Jahre dauern. Und wenn der ganz stimmige Moment da ist, dann geht alles ganz schnell und es ist immer gut. Das heißt,  die Reifezeit ernst nehmen. Sie ist mal kürzer und mal länger, aber sie ist wichtig.

Manchmal sind es ja richtige Nebelphasen.

Auch das ist wichtig, damit es sich danach lichten kann. Es brütet ja im Nebel weiter. Man muss solche Phasen würdigen und wissen, dass sie ein Teil des Weges sind.

Es gab bestimmt auch Menschen aus deinem Umfeld, die an dir und deinen Plänen gezweifelt haben.

Ich habe im Laufe dieser vielen Jahre gelernt, meinen Mund zu halten. Wenn ich mit neuen Plänen „schwanger“ gehe, rede ich immer weniger darüber oder nur mit ganz wenigen Menschen. Diese muss ich ganz sorgfältig auswählen. Und ansonsten halte ich mich sehr bedeckt, um meine Energie zu halten. Am Anfang habe ich ganz viel über solche Dinge geredet und dann kommen diese Zweifler nicht nur aus einem selbst, sondern aus dem ganzen Umfeld mit Sprüchen wie „das kann ja nicht funktionieren“. So bin ich immer mehr dahinter gekommen, dass ich es besser für mich behalte. Und ich habe gemerkt, dass die Energie dadurch auch viel stärker wird. Im Außen saugen die Zweifler Energie ab und man strömt auch selber Energie raus, indem man sich nicht nur mit seinen eigenen Sachen auseinandersetzt, sondern auch mit den Zweifeln der anderen. „Die Energie bündeln“ nenne ich das immer. Und Sprache ist ein enormes Feld, in dem Energie verloren gehen kann.

Oder ich stelle nur konkrete Fragen an einzelne Personen für Punkte, in denen ich unsicher bin. Aber es ist schon auch wichtig, andere Meinungen zu hören. Deshalb geht man ja in Kommunikation, aber man öffnet den inneren Energiekern nicht. Und die Antworten kann man dann für sich nehmen oder auch nicht.

Gab es Krisen unterwegs?

Krisen sind ganz normal. Zu allem gehören auch Krisen dazu. Alles bewegt sich in einem auf und ab, wie in einer Sinuskurve, und das ist bei mir natürlich genauso gewesen. Es gibt Phasen, in denen ich mehr Ideen habe, in denen ich mich besser mit meiner Arbeit verbinden kann, und dann die ganz anderen Phasen.

Gab es keine dramatische Situation, in der du an deinem Weg gezweifelt hast?

Doch schon. Aber immer, wenn ich gezweifelt habe, kam irgendetwas von außen. Entweder viel positive Resonanz oder viele Leute, die in meine Kurse kommen wollten. Es kam immer ein Zeichen, das mir gezeigt hat, dass dies eigentlich mein Weg ist und dass es Lösungen gibt. Auch wenn ich jetzt vielleicht gerade einen Durchhänger habe. Ich hatte immer wieder das Gefühl, ich werde erneut auf meinen Weg gestellt. Es gilt aber, in solchen Situationen überhaupt wahrzunehmen, dass etwas Positives kommt. Also die Magie des Alltags lesen lernen. Irgendwie kriegt man immer Antworten, man muss nur die Ohren und die Augen aufhalten.

Die größten Zweifel hatte ich eher nicht im Unterrichten, sondern an mir als Malerin. Denn das geht ja eine Nummer tiefer. Und dann habe ich das natürlich auf meinen Unterricht übertragen. Wenn ich als Malerin in meinen eigenen Augen nicht gut bin, was kann ich dann geben? Wenn aber so ganz schlimme malerische Krisen kamen, und ich dachte, ich kann gerade gar nichts, dann geschah immer wieder etwas. Ich habe ein Bild verkauft oder irgendwas Schönes gehört.

Obwohl ich mir vorstelle - gerade in einem künstlerischen Beruf wie Malerin - da wäre es doch geradezu eine Katastrophe, wenn man diese Zweifel nicht hätte?

Ja, das sehe ich auch so. Denn wenn du nicht in deine tiefsten Schichten abtauchst und durch dunkle Wälder gehst, dann kann es auch nicht wirklich gute Malerei werden.

Und da sind wir wieder beim Thema am Anfang. Es muss in deinem Energiefeld manifest sein. Immer wenn man zutiefst innere Fähigkeiten ausbildet, muss man immer wieder durch das Tief durch. Wo alles verbrennt und zu Asche wird. Um dann daraus hervorzusteigen wie ein Phönix aus der Asche – dieses Bild habe ich immer wieder vor Augen.

Ich denke, gerade als unterrichtende Person ist es ganz wichtig, dass du um diese Krisen weißt, denn sonst kannst du nicht Menschen begleiten, die bei dir etwas lernen und dann auch durch solche Krisen durchgehen.

Ja, in dem Zustand ist ja immer mindestens eine Person im Malkurs. Oder auch die ganze Gruppe. Und die spüren sehr genau, dass du das kennst. Denn sonst könnten sie sich nicht öffnen, sie würden es vielleicht noch nicht mal spüren können.

Man muss auch ein Verständnis dafür entwickeln, dass diese Phasen normal sind. Wenn sie nicht kommen, geht man nicht in eine bestimmte Tiefe hinein. Das heißt, man kann eigentlich sogar dankbar sein, wenn solche Krisen kommen. Diese Zeiten, in denen das übliche Repertoire, was man sonst so abspult, einfach nicht greift, in denen man nichts zu greifen kriegt. Da muss man einfach durch und dann kommt irgendwann die Inspiration und es kann weitergehen.

Was hat dir besonders geholfen?

Das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich habe schon von Anfang an gemerkt, wenn ich etwas unterrichte, habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich Dinge sage und erkläre, von denen ich nicht weiß, woher ich es wirklich weiß. Irgendwie bekomme ich die notwendigen Informationen von wo auch immer. Und daraus ist ein ganz tiefes Vertrauen gewachsen.

Was würdest du Menschen raten, die gerade ihren Herzensweg beginnen?

Das Wichtigste ist, dass es wirklich ein Herzensweg ist.

http://www.tinastein.de/

Dieses Gespräch fand statt bei der Recherche für das Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen".

Projekt Sehnsucht - Coverbild

www.vera-bartholomay.com

 

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Inspirationen, Kreativität, persönliche Entwicklung, Spiritualität

Als Medienagentin die passenden Menschen zusammenbringen - Herzensprojekte (11)

20.04.2019

ElkeBrand

Ein Gespräch mit Elke Brand - Inhaberin der Medienagenturen „Scripts for sale“ und „Scripts for soul“ in Hamburg.

Was ist der Schwerpunkt deiner beiden Medienagenturen?

Die Hauptarbeit bei „Scripts for sale“ besteht vor allem in der Vermittlung von Drehbüchern. Das heißt, ich bringe Autoren mit geeigneten Produzenten und Sendern zusammen. Gerade neu hinzugekommen ist auch die Vermittlung von Regisseuren, also den passenden Regisseur zu einzelnen Filmprojekten zu finden.

In der zweiten Agentur „Scripts for soul“ geht es um die Vermittlung von Büchern über Spiritualität und Lebensthemen (Body, Mind & Spirit). Das ist so ein bisschen mein Bonbon, weil es mich persönlich besonders interessiert.

Ich bin ein sehr vielseitiger Mensch und habe so viele Interessen und durchaus auch Talente, dass es mir immer schon schwergefallen ist, zu sagen, genau das und das will ich jetzt werden oder tun. Nach dem Abitur hatte ich auch eine Phase, in der ich gar nicht wusste, wohin es gehen kann, denn ich war gut sowohl in Französisch als auch in Chemie – also war die Spannweite groß. Ich habe immer sehr viel gelesen und habe mich für Literatur interessiert. Aber damals hieß es, damit könne man ja kein Geld verdienen. Mein Vater wollte am liebsten, dass ich eine Banklehre mache.

Ich würde gern den Bereich spirituelle Literatur und Bücher über Persönlichkeitsentwicklung mit  „Scripts for soul“ stärker ausbauen, aber ich kann immer nur ganz oder gar nicht. So läuft dieser Bereich im Moment eher etwas mit und ich schaue einfach, was sich aus meinen recht guten Kontakten zu Verlagen ergibt. Ich finde Menschen, die sich mit spirituellen Themen beschäftigen, die sich weiter entwickeln und vielleicht auch neue Methoden entwickeln, einfach sehr spannend. Aber ich engagiere mich dabei nur für Bücher, für die ich mich wirklich begeistern kann.

Im Filmbereich arbeite ich genauso. Wenn ich etwas anbiete, hat es Hand und Fuß. Vorher habe ich mich inhaltlich sehr damit beschäftigt. Und wenn ich von etwas überzeugt bin, ist es einfach, auch andere davon zu überzeugen.

Du kommst aus einem klassischen Studium der Germanistik und Romanistik. Bist du dann gleich in die Agenturarbeit hinein oder hast du vorher etwas anderes gemacht?

Ich habe immer das genommen, was in mein Leben kam. Ich war erst eine Weile am Theater und wollte ursprünglich Theater-Dramaturgin werden. Dann hat eine Regisseurin mir erzählt, dass man in Frankfurt jemanden in der Filmproduktion und für die Arbeit mit Drehbüchern sucht. Das fand ich auch spannend, also habe ich mich dort beworben und die Stelle sofort bekommen. Aber ich dachte erst, ich mache das nur so lange, bis ich eine Stelle als Dramaturgin am Theater bekomme. Ich konnte bei meiner neuen Stelle Drehbücher lesen, mich inhaltlich einbringen und wurde auch in die Stoffentwicklung mit reingenommen. Da war ich dann auf einmal Film-Dramaturgin! Und das hat auch prima für mich gepasst, eigentlich noch viel besser. Das hat mir so gut gefallen, dass ich gleich für fünf Jahre da geblieben bin.

Der nächste Schritt wäre dann gewesen, Producer zu werden, aber dann hat man weitere Aufgaben, die teilweise sehr aufreibend sind. Man muss in die Finanzierung und das Casting mit hinein und auch viele andere Dinge mit abdecken. Und das wollte ich dann nicht. Ich habe gesehen, wie die Leute damit teilweise wirklich auf dem Zahnfleisch gehen.

Dann kam ein Umzug mit meinem späteren Mann nach Hamburg, wo ich mich erst neu sortiert habe. Ich wollte erst freier und auch kreativer arbeiten. Ich habe erst mal viele Kontakte geknüpft und war Lektorin, Dramaturgin und habe Stoffe beurteilt für den NDR und die Filmförderung, und habe auch eine Serie mit betreut.

Würdest du sagen, dass es eine besondere Fähigkeit von dir ist, schnell Kontakte zu knüpfen und zu pflegen?

Auf jeden Fall. Und offenbar strahle ich aus, dass ich bestimmte Aufgaben auch übernehmen kann, obwohl ich - wie so viele Frauen - in meiner Persönlichkeit eher dazu neige, an mir zu zweifeln.

Mein Vater war Geschäftsmann und von ihm habe ich offenbar gelernt, mich gut zu präsentieren und meine Fähigkeiten beruflich einzubringen.

Nach außen hin kannst du überzeugend auftreten, aber im Inneren sind auch bei dir Zweifel?

Ja, absolut. Ich weiß auch, das wird bis zu meinem Lebensende so bleiben. Aber inzwischen habe ich gelernt, besser damit umzugehen, wenn diese innere Stimme kommt, die mir immer wieder sagt, dass ich zum Beispiel irgendwo jetzt nicht anrufen kann und diesen Menschen nicht dieses Angebot machen kann. Aber dann fange ich an, mit dieser Stimme richtig zu diskutieren und sage ihr: „Mal schauen, wer von uns jetzt gewinnt“. Ich mache regelmäßig Coachings und weiß mittlerweile, dass jeder von uns diese Stimme in sich hat und dass es wichtig ist, damit in Kontakt zu treten und der Stimme auch ein bisschen Kontra zu geben.

Hat sich in deiner beruflichen Entwicklung alles immer so ergeben oder gab es irgendwann die große Entscheidung, jetzt durchzustarten?

Es war immer wieder so, dass sich Türen geöffnet haben. Und wenn sich Türen öffnen, gehe ich aber auch durch. Nach zwei Jahren in Hamburg mit freien Aufträgen habe ich gemerkt, wie anstrengend es ist, immer wieder einzelne Aufträge zu akquirieren, und wie schwierig es ist, damit wirklich dauerhaft Geld zu verdienen. Denn Geld verdienen ist mir schon wichtig. Wenn ich schon etwas arbeite, möchte ich dabei auch vernünftige Einnahmen haben und mir etwas leisten können. Natürlich will ich dabei auch mit Themen arbeiten, die mich anziehen. Und im Fokus standen für mich immer die Autoren.

Dann kam ein Anruf von Petra Hermanns, die erst vor wenigen Monaten diese Agentur mit einer Handvoll Autoren gegründet hatte, und sie suchte jemand, die den Filmbereich abdecken könnte. Selbst hat sie v.a. Belletristik, also den Bereich Literaturagentur gemacht. Den Filmbereich kannte sie gar nicht. Wir haben uns erstmal kennengelernt und recht schnell beschlossen, dass wir das gemeinsam machen. Die Entscheidung fiel mir nicht so schwer, denn ich hatte nicht wirklich viel zu verlieren und dachte, wir können das erstmal probieren. Ich hab mir dann ein Jahr gegeben, um zu schauen, ob wir Autoren finden, die mit zu uns in die Agentur wollen. Und dann haben wir einfach losgelegt.

Würdest du sagen, dass du dich stark von intuitiven Gefühlen leiten lässt bei solchen Entscheidungen?

Ja, mit Sicherheit. Ich habe ein Gespür für Menschen und Gelegenheiten. Auch damals in der Filmproduktion wusste ich gleich, dass die Menschen dort mir gefallen und dass ich mit ihnen viel lernen und dort auch weiterkommen kann. Denn ich will immer weiterkommen. Ich will nicht da stehen bleiben, wo ich einmal hingekommen bin. Andere fühlen sich in solchen Positionen wohl, aber ich brauche immer wieder neue Projekte und neue Herausforderungen.

Gab es besonders hilfreiche Erlebnisse?

Ich habe ein Konzept entwickelt, wie Verlage ihre Filmrechte besser vermarkten können. Viele Romane lassen sich ja verfilmen und manche Verlage haben auch die Filmrechte. Und mit diesem Konzept sind wir an große Verlage herangegangen.  Hilfreich war dabei meine Erfahrung aus der Filmproduktion, denn so wusste ich ja ganz konkret, wovon ich sprach. Ein sehr großer Verlag hat schnell zugesagt und mit diesem Namen haben sich gleich ganz viele andere Türen auch geöffnet.

Parallel habe ich noch eine namhafte Drehbuchautorin überzeugen können, zu uns zu kommen und wenn man jemanden mit einem größeren Namen mit im Boot hat, wird vieles leichter.

Man braucht Kontakte, die einen unterstützen. Und man darf sich auch nicht zu schade sein, gelegentlich um Hilfe zu bitten. Denn man findet immer Menschen, die bereit sind zu helfen.

Du sagst, es war dir immer wichtig, auch Geld zu verdienen, aber am Anfang verdient man ja erst mal nicht so viel. Wie lange dauerte die etwas härtere Aufbauphase?

Man braucht schon drei Jahre. Es gibt aber sicher gelegentlich Beispiele, wo es schneller geht.

Ich habe immer viel investiert, habe geschaut, dass wir gleich eine gute Büroadresse hatten und auch auf Kleinigkeiten wie gutes Briefpapier geachtet. Man muss schon Geld reinstecken. Das Büro hat bei unserem Start in 1999 300 Euro Miete gekostet -  das war für mich ganz viel Geld, auch wenn es einem heute ganz wenig vorkommt. Aber am Anfang kommt es einem immer so vor, als wäre es wahnsinnig viel Geld. Aber man kann nicht immer nur sparen, das ist auch falsch.

Ich habe dann privat schon eher von wenig Geld gelebt und mir vieles nicht geleistet.

Was hat dir geholfen durchzuhalten?

Die Tatsache, dass wir ein Team waren und dass meine Kollegin Dinge konnte, die ich nicht konnte. Ich verstehe zum Beispiel weniger von Verträgen. Wir hatten dann irgendwann auch einen Anwalt, der sich mit Filmrechten beschäftigt hat und mit dem wir einen Beratervertrag gemacht haben. Man braucht schon Leute, die sich um das kümmern, was man selber nicht gut kann, so dass man sich voll auf die Dinge konzentrieren kann, in denen man richtig gut ist. Das war bei mir eher die Akquise.

Mit meiner Kollegin Petra Hermanns habe ich 16 Jahre zusammengearbeitet, aber vor zwei Jahren sind wir dann auseinandergegangen. Wir waren sehr gewachsen und mussten einiges ändern. Meine Kollegin hat sich voll auf die Belletristik konzentriert. Und ich habe eine Justiziarin mit hinzugenommen für den Vertragsbereich.

Natürlich sind solche Schritte auch erst mal mit Ängsten verbunden. Durch diese neue Angestellte hatte ich auch hohe Kosten, die ich erstmal wieder reinkriegen musste. Es war wieder ein Neuanfang mit dem noch fremden Gefühl, jetzt ganz allein verantwortlich für das Unternehmen zu sein.

Mir gehört die Firma allein, ich kann alles gestalten, muss aber auch alles selber tragen. Also musste ich erstmal lernen, allein eine Firma zu leiten. Und ich kannte mich in vielen Bereichen nicht aus und musste mich jetzt mit Steuerberater, Finanzamt und Mitarbeiterführung auseinandersetzen. Das war schon eine Herausforderung. Denn am liebsten hätte ich mich nur auf die Stoffe und Autoren konzentriert und nicht auf dieses ganze Drumherum.

Ich habe mir allerdings schon Hilfe geholt und habe mir einige Male im Jahr Termine mit einem Unternehmensberater gegönnt. Und es war schon beruhigend, dass ein Fachmann mit draufschaut, wie die Zahlen aussehen usw. Er hat mir zum Beispiel recht schnell dazu geraten, noch jemanden anzustellen. Ich brauche auch Leute um mich herum, die an mich glauben und die mir sagen, dass es laufen wird. Ich bin nicht so eine komplette Einzelgängerin. Diesen Berater habe ich stundenweise bezahlt, und dann ist es auch machbar. Das ist sogar letztendlich relativ wenig Geld für das, was ich wirklich bekommen habe. Sparen an der falschen Stelle kann ein Unternehmen ganz in den Abgrund stürzen. Man muss schauen, wo Ausgaben notwendig und wo sie eher übertrieben sind.

Bei Problemen muss man immer schauen, welche Lösung schon vorhanden ist. Denn die Lösung ist vor dem Problem da, sagt meine Coach-Frau immer.

Was würdest du Menschen raten, die jetzt mit ihren Projekten starten wollen?

Immer dem eigenen Herzen zu folgen. Und dann schauen, wo es Unterstützer für das geplante Projekt geben könnte. Mit anderen über die Idee sprechen, sich die Pros und Kontras anhören und dann aber selbst entscheiden! Sich nicht entmutigen lassen, nur weil jemand (womöglich noch der beste Freund oder jemand aus der Familie, der einem nahe steht) die Idee zu riskant oder wenig  erfolgversprechend findet. Man sollte schon ehrlich zu sich sein, die Einwände anhören, aber dann auch die Pros aufzählen und alles in eine Waagschale werfen. Eine unabhängige externe Meinung ist genauso wichtig wie die Meinung von den Menschen, die uns nahe stehen.

Sich vernetzen ist auch sehr wichtig. Das haben wir auch am Anfang ganz stark gemacht. Wir waren in Gründerkreisen unterwegs und haben auch Seniorberater in Anspruch genommen.

Man darf nicht in Panik geraten und denken, dass man in einem halben Jahr pleite ist. Man muss sich die eigenen Kosten gut angucken, wie viel man privat braucht und wie viel für die Firma notwendig ist, da muss man sehr realistisch sein. Wenn man dann das Gefühl hat, man hält zum Beispiel nur ein Jahr durch, und es einen langsam schlaflose Nächte kostet, dann würde ich eher empfehlen, nebenbei noch einen Job anzunehmen. So dass man wenigstens die privaten Kosten damit decken kann. Aber es darf natürlich nicht so viel Arbeit sein, dass man keine Kräfte mehr hat für das neue Unternehmen.

Manchmal muss man über den eigenen Schatten springen und mit Leuten reden und vielleicht auch mal um Rat fragen. Fragen, ob diese Leute glauben, dass man so etwas schaffen könnte. Es müssen natürlich Menschen sein, denen man vertraut und die auch etwas von der Materie verstehen. Manchmal ist man ängstlicher als das, was die Menschen von außen in einem sehen. Man muss ins Vertrauen gehen.

Und die Menschen, die du mit dem Buch ansprechen wirst, die vielleicht im heilenden oder spirituellen Bereich unterwegs sind, sind ja auch sehr spürsinnig und gut verbunden. Und dann stehen die Chancen gut, dass sie mit ihren Talenten auch Erfolg haben werden.

Aber natürlich muss man den Markt vorher ein bisschen sondieren. Machen zwanzig andere genau das Gleiche und wenn ja, was mache ich anders als die Konkurrenten? Man braucht eine große Portion Realismus, aber man braucht auch ganz viel Vertrauen, dass man das auch wirklich schafft und dass man die Richtige ist dafür.

Würdest du dir im Rückblick wünschen, etwas anders gemacht zu haben? Oder waren die Schritte alle notwendig?

Ich glaube schon, dass die Schritte notwendig waren. Und man muss alle zwei Jahre ein Stück weitergehen. Man fängt irgendwo an und dann merkt man erst, man könnte noch das und das machen oder bessere Leute finden, vielleicht in meinem Fall nicht nur bei Nachwuchsautoren schauen, sondern auch bei den schon etablierten, die man vielleicht direkt ansprechen muss.

Man muss sich auch trauen, mal in Konkurrenz zu gehen, denn so ist das Leben. Früher war ich da vorsichtiger und hatte Angst, jemandem ins Gehege zu kommen. Oder hatte Bedenken, dass bekannte Autoren doch nicht zu uns kommen. Man traut sich oft nicht, den nächsten Schritt zu gehen. Aber man sollte gelegentlich auch mal nach den Sahneschnitten gucken und sich nicht immer mit Marmorkuchen zufrieden geben oder sich vielleicht gar sagen, Marmorkuchen ist doch auch lecker genug. Aber die Sahneschnitten sind auch für einen bestimmt. Also immer ein bisschen größer denken.

Und sich nicht davon täuschen lassen, dass es jetzt gerade richtig gemütlich geworden ist, sondern immer auch schauen, wo der nächste Schritt sein könnte. Daran könnte man nämlich sonst kaputtgehen, dass es zu klein und gemütlich bleibt. Man muss den Rhythmus, den das Unternehmen vorgibt, auch mitgehen.

Und für dich steht so etwas ungefähr alle zwei Jahre an?

Ja, das ist ein Rhythmus, der für mich stimmt. Dann sollte man sich überlegen, wo man sich die Arbeit erleichtern kann, wo es vielleicht noch eine weitere Nische gibt oder ob man etwas hinzunehmen könnte. So ist irgendwann der Bereich „Scripts for soul“ hinzugekommen. Den Namen hatten wir ganz schnell und dachten einfach, das wird laufen. Heute ist er ein Begriff geworden.

Ich mache solche Reflexionen gern in Coachings. Am Anfang des Jahres träume ich mich immer hinein in die Vorstellung, wohin es gehen könnte. Wichtig ist, erst nur zu träumen und viel später erst zu überprüfen, ob es realistisch ist. Der Verstand darf nicht gleich sagen, dass es nicht geht. Und später wird davon meiner Erfahrung nach durchaus 80 % Realität, denn wenn ich es schon träumen kann, dann ist es ja schon da.

http://scriptsforsale.de/

http://www.scriptsforsoul.de

Dieses Gespräch fand statt bei der Recherche für mein aktuelles Buch "Projekt Sehnsucht", schon das zweite Buch, das Elke Brand als meine Agentin erfolgreich an einen Verlag vermittelt hat. Weitere Herzensprojekte findest du in diesem Buch und noch ausführlicher werden sie in meinem Blog vorgestellt

Projekt Sehnsucht - Coverbild

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: persönliche Entwicklung, Spiritualität

Bestatterin als Beruf und Berufung - Herzensprojekte (10)

15.04.2019

Susanne Eckl

„Ein tiefes Einlassen auf das Leben und die Endlichkeit.

Auf das Unfassbare und Unbegreifliche.

Im Leben, wie im Sterben und im Tod.“

 

Mit diesen Worten lernen wir Susanne Eckl auf ihrer Website kennen. Wer ist diese außergewöhnliche Bestatterin?

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: persönliche Entwicklung, Sinn, Spiritualität

Impulse für ein erfülltes Leben - Herzensprojekte (9)

12.04.2019

AnitaM

Ein Gespräch mit der Publizistin Anita Maas aus Saarbrücken:

Du bist Herausgeberin der Zeitschrift „MaaS-Magazin – Impulse für ein erfülltes Leben“. Wie würdest du diese Zeitschrift beschreiben?

MaaS soll wie ein Leuchtturm wirken für mich und andere, die sich im Nebel verlaufen haben und Orientierung suchen. Jedes Magazin hat ein ganz eigenes Schwerpunktthema und soll damit ein weiteres Licht auf unserem Weg sein. So kommen wir alle gemeinsam Schritt für Schritt voran und finden Klarheit und Zufriedenheit. Das ist meine Vision mit dieser Zeitschrift.

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Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Inspirationen, Natur, persönliche Entwicklung, Spiritualität

Weisheit - Buchtipp

07.04.2019

Weisheit

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Kennst du einen wirklich weisen Menschen? Naja, einigermaßen weise, schränkt die Weisheitsforscherin Judith Glück gleich ein, denn sehr weise Menschen gibt es offenbar sehr selten.

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Kategorien: Bücher | Schlagworte: Glück, persönliche Entwicklung, Sinn

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