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Nach-HALT-igkeit leben - Herzensprojekte (13)

08.05.2019

Christine P

Christine Pehl ist Coach und Unternehmensberaterin in Augsburg mit einem außergewöhnlichen Schwerpunkt in ihrer Arbeit.

Wie würdest du den Kern deiner Arbeit beschreiben?

Es geht mir um die innere und die äußere Nachhaltigkeit.

Die äußere Nachhaltigkeit ist bekannter. Diese Haltung will Wirtschaft, Umwelt und Soziales in Einklang bringen. Sie lässt sich als „enkeltaugliches Leben und Wirtschaften“ beschreiben, in dem Sinne, dass auch unsere Nachkommen eine gute Lebensgrundlage haben.

Seit wann interessierst du dich für das Thema Nachhaltigkeit?

Sie begleitet mich seit fast 20 Jahren. Begonnen habe ich als Referentin für Nachhaltigkeit beim Arzneimittelunternehmen betapharm. Anfang der 2000er Jahre galt betapharm als Vorbild für unternehmerische Verantwortung und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 2010 habe ich mich mit dem Wunsch selbstständig gemacht, andere Organisationen auf diesem Weg zu begleiten.

Womit noch zu klären wäre, was es mit der „inneren Nachhaltigkeit“ auf sich hat?

Über meine Arbeit wurde mir immer bewusster, dass es auch ein inneres Klima gibt. Viele Menschen sind nicht mit sich im Reinen. Es geht um grundlegende Fragen: Was macht Sinn und bereitet mir Freude, welche Werte lebe ich, wo liegen meine Talente? Ein Weg zur Klarwerdung: „Kümmere dich um dein Königreich im Inneren, der Rest wird dir dazu gegeben.“

Du bietest eine Art besonderer Unternehmensberatung an?

Ja, das ist einer von drei Bereichen: Ich begleite Organisationen im Streben nach innerer und äußerer Nachhaltigkeit. Es geht um eine bewusste Haltung, kein verordnetes Managementprogramm. Wer sich geklärt hat, wird auch im Außen nachhaltig und im Einklang mit der Umwelt handeln.

Zu diesem Themenkreis halte ich außerdem Vorträge, gebe Seminare und leite Workshops. Meine Kunden sind Unternehmen, Behörden, soziale Einrichtungen und Hochschulen und im Grunde geht es immer um das gleiche Anliegen: Wie kann ich eine wertschätzende Haltung mit Leben füllen?

Ein dritter Bereich bezieht sich auf Einzelcoachings, oft in Kombination mit körpertherapeutischen Elementen. Grundlagen meiner Arbeit sind eine intensive systemische Coachingausbildung und zwei körpertherapeutische Ausbildungen. Als besonders bereichernd für meine Kunden erweist sich die zuletzt bei dir gemachte Fortbildung „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch“.

Du beziehst also den Körper in diese Coachings mit ein? Wie geht das?

Ich nenne es Körperweisheit. Am besten lässt es sich an einem Beispiel zeigen: Eine Führungskraft aus der IT kam zu mir, um einen neuen Karriereschritt zu besprechen. Ich habe ihm angeboten, erst mit Therapeutic Touch zu arbeiten. Während der Behandlung kam mir ständig das Bild vor Augen, dass er sich alleine auf einer Wanderung befindet. Nach der Sitzung war er tief entspannt und sagte: „Am liebsten würde ich lange alleine wandern gehen“.

Später schrieb er mir, dass er ursprünglich hoffte, nach einer Stunde Coaching einen Masterplan für die neue Stelle in der Tasche zu haben. Aber jetzt habe er verstanden, dass er erst einmal Zeit für sich alleine braucht, um Dinge für sich zu klären – einen Raum zwischen diesen beruflichen Schritten.

Nach einigen Monaten meldete er sich und berichtete, dass er sich diesen Raum tatsächlich genommen hat. Als er von seiner Wanderung zurückkam, sei ihm eine neue Stelle regelrecht zugeflogen, nach der er gar nicht aktiv gesucht hatte.

So etwas passiert häufig. Die Lösungen finden sich ein.

Hast du selbst auch schon diese Erfahrung gemacht?

Ja, immer wieder. Auf meinem Berufsweg gab es auch keinen „Masterplan“, wie ihn sich mein Kunde gewünscht hatte. Die Wege ergeben sich.

Magst du an dieser Stelle ein paar Worte zu deinem Werdegang sagen?

Ich habe Geschichte und Politikwissenschaft studiert, weil ich Systeme besser verstehen wollte. Familiär gibt es eine unternehmerische Prägung, da meine Eltern eine Maschinenbaufirma hatten.

Nach dem Studium stellte ich mir die Sinnfrage. Als ich mich bei betapharm vorstellte, war der damalige Geschäftsführer von meiner Begeisterung für nachhaltiges Wirken so angetan, dass er mir dafür eine Stelle anbot, die es im Unternehmen noch gar nicht gab. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und erfahren, wie es sich anfühlt, wenn Nachhaltigkeit wirklich gelebt wird.

Bis heute gilt betapharm als Lehrstück und wird an Lehrstühlen und in Business Schools beschrieben.

Wie ging dann deine berufliche Erfahrungsreise weiter?

Nun stellte sich die Frage, ob ich die Maschinenbaufirma meiner Eltern übernehme. Mein Vater und ich haben dann den Betrieb zwei Jahre gemeinsam geführt. Bald war mir klar, dass die Leitung eines Unternehmens mich nicht auf Dauer erfüllen würde. Durch viele Gespräche mit den Mitarbeitern ergab sich die wunderbare Lösung der Betriebsübergabe an die langjährigen Meister – eine gute Entscheidung, da der Betrieb bis zum heutigen Tag besteht. Dieser Prozess ermöglichte mir tiefe Einblicke in unternehmerisches Handeln und das Vertrauen, gemeinsam viel erreichen zu können. Mein Herz schlug weiter für die Nachhaltigkeit.

Nach dieser Erfahrung im elterlichen Betrieb blieb es weiter spannend – du warst Gründungsmitglied bei Papilio, einem besonderen Unternehmen. Wie kam das?

Mir wurde immer klarer, wie wichtig die innere Entwicklung ist. „Papilio“ ist ein Sozialunternehmen, das die sozial-emotionalen Kompetenzen von Kindern fördert. Grundlegende Impulse, die bis ins Erwachsenenalter fortwirken. Dieses Wissen ist für meine heutige Arbeit unentbehrlich. Während dieser Zeit erkannte ich auch den hohen Wert von Kooperation und Netzwerkarbeit.

Nach all diesen wichtigen Etappen, mit betapharm, dem Familienunternehmen und Papilio hast du dann Mitte 2012 eine ungewöhnliche Reise angetreten…

Ja, es gab eine „äußere und innere Reise“. Mit dem Zug und ganz wenig Gepäck fuhr ich drei Monate ohne feste Ziele, rein intuitiv, durch Europa. Auf dieses Abenteuer folgten drei Monate starker Rückzug. Innerlich neu sortiert spürte ich, wohin „die Reise jetzt geht“. Dann bin ich umgezogen, habe mich von vielem getrennt und angefangen, minimalistisch zu leben.

Seit 2013 steht mein aktuelles Konzept.

Ist es so, dass sich neue Möglichkeiten ergeben, wenn man wirklich für etwas brennt?

Ja, denn die persönlichen Gaben und Talente ermöglichen einen ureigenen Weg.

Wie findest du deine Kunden und deine Auftraggeber dich?

Die meisten Aufgaben entstehen im Miteinander. Über Menschen, die mich von früher kennen, über Empfehlungen und natürlich Netzwerke. Ich mache eine fast spielerische Netzwerkarbeit, gehe überall hin, wo mir etwas interessant scheint. „Im Gespräch und präsent sein“ und daran anknüpfen – dann entsteht etwas.

Du sprichst auch manchmal von Resonanz als Wirkprinzip in deiner Arbeit?

Ja, genau. Zum „inneren Horchen“ gehört auch ein Hinhören auf alles, was von außen kommt: Stimmen von Menschen, denen ich in Unternehmen und auf Veranstaltungen begegne. Resonanz bedeutet ja Mitschwingen, eine Atmosphäre, die Zusammenarbeit begünstigt oder nicht.

Woher weiß man, welche Kunden und welches Umfeld am besten zu einem passen?

Entscheidend ist, sich die richtigen Fragen zu stellen. In meinem Fall, ob ich lieber mit Konzernen, Mittelständlern oder Handwerksbetrieben arbeiten möchte. Sehe ich mich im Einzelgespräch oder vor Gruppen? Alleine, im Team oder mit Partnern? Ich kooperiere zum Beispiel sehr gerne.

Wie entstehen denn für dich wichtige Kooperationen?

Zum Beispiel beim Lesen zum Thema Nachhaltigkeit. Einmal bin ich über einen wunderbaren Artikel gestolpert, habe spontan den Journalisten kontaktiert, und im Dialog entwickelten wir dann einen gemeinsamen Beitrag.

In den Printmedien sind ja schon einige Artikel zu deiner Arbeit erschienen. Konntest du über diesen Weg viele Neukunden gewinnen?

Die Menschen finden über verschiedene Kanäle zu mir. Ob es ein Artikel im Fachbuch, ein Gespräch im Radio oder mein Webauftritt ist, aus allen Aktivitäten in der Öffentlichkeit kann etwas entstehen.

Gab es auf deinem Weg auch Ängste oder Bedenken? Wie viel Mut ist erforderlich?

In der ersten Zeit hatte ich innerlich viel zu kämpfen und habe mir viele Fragen gestellt. Ob ich überhaupt für eine Selbstständigkeit geeignet bin und finanziell auf eigenen Beinen stehen kann, ohne geregeltes Einkommen. Das zeigt sich aber erst, wenn man es lebt. Anfangs konnte ich nicht einschätzen, ob die Menschen mein Thema überhaupt wollen. Mut entsteht durch das Tun. Sich immer wieder trauen, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Wie bist du mit Rückschlägen umgegangen?

Es erscheint mir besonders wichtig, „Dranbleiber“-Qualitäten zu entwickeln und täglich etwas für die Unternehmung zu tun. Manchmal geht man wie durch Nebel. Mir half das Bild, „den Kahn ins Wasser ziehen“; wenn er dann schwimmt, geht es viel leichter.

Würdest du heute im Rückblick etwas anders machen?

Ich habe mit Herz und Verstand mein Bestes gegeben, doch mit heutigem Wissen würde ich mir früher fachliche Unterstützung holen, in Form von Coachings oder Supervisionen. Man muss nicht alles im stillen Kämmerlein mit sich ausmachen.

Was würdest du anderen raten, die heute mit ihrem Traumprojekt loslegen?

Den wahren Beweggrund gut herauszufiltern. Es ist wichtig, ehrlich mit sich zu sein. Ich beobachte, dass manche eher aus einem „Nein“ heraus starten, zum Beispiel, weil sie den Chef nicht mehr ertragen. Wichtiger wäre zu erkennen, was mich bewegt und antreibt. Dafür braucht es Raum und Zeit. Entscheidend ist auch, offen zu sein, für das, was noch entstehen will.

Was würdest du als Herzstück deiner Arbeit bezeichnen?

Ich darf mit meiner Arbeit Bewusstseinswandel mitgestalten. Es ist schön, wenn ich meine Kunden inspiriere und sie mich, wenn äußere Nachhaltigkeit aus der inneren entsteht. Ich liebe meine Arbeit.

www.pehl-beratung.de/

Dieses Gespräch mit Christine Pehl fand statt bei der Recherche für mein Buch "Projekt Sehnsucht. Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen".

Projekt Sehnsucht - Coverbild

Kategorien: Berufliche Herzensprojekte | Schlagworte: Heilsame Berührung, persönliche Entwicklung, Therapeutic Touch

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