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Ein Refugium auf Zeit

25.09.2021

Ich sinke langsam in diese Landschaft hinein.

Nach einem langen und ereignisreichen Sommer mit ganz viel wunderbarer Zeit mit der Großfamilie, bin ich bewusst noch alleine in meiner Hütte in Norwegen geblieben. Ich brauche Zeit zum Schreiben und zum Denken, ich will aber auch diese Stille ohne jegliche Ablenkung auf mich wirken lassen. Will den Teil in mir Raum geben, der Freiraum und Rückzug braucht. Wissend, dass es nicht nur angenehm sein muss, denn aus Erfahrung weiß ich, dass alte oder weggeschobene Themen sich dann gern in der Stille noch einmal melden.

Und dennoch sinke ich erst mal langsam in die Landschaft hinein. Denn die Stille hier ist ohne diese Landschaft nicht vorstellbar. Ich bin am Meer. Vom Strand und den nackten Felsen am Meer trennt mich nur ein kurzer Spaziergang. In den ersten Tagen meines Alleinseins war ich ganz überwältigt von dieser vielen Zeit nur für mich.

Tag und Nacht konnte die Stille in mich hineinatmen.

Jetzt bin ich schon einen ganzen Monat hier allein und so langsam meldet sich der Herbst. So viele Jahre habe ich den Herbst hier nicht mehr erlebt. Diese Luft, die Veränderung der Vegetation, der langsamere Rhythmus. An manchen windigen Tagen gehe ich besonders gern ans Meer und lasse mich einmal durchpusten. Sollte ich an dem Tag Sorgen gehabt haben, sind sie spätestens am Meer wie weggeweht. Hier werde ich ganz schnell zum Wesentlichen zurückgeführt.

Atmen, gehen, schauen.

Meine Hütte liegt nicht vollkommen einsam, aber doch so weit draußen, dass ich an manchen Tagen gar keine Menschen sehe. Dafür muss ich schon rausgehen und ein bisschen herumlaufen. Und oft ergeben sich dann kleine Gespräche mit wildfremden Menschen und manchmal mit netten Nachbarn.

Auch wenn ich jeden Tag auch meine Herzensarbeit nachgehe– ein neues Buch schreiben, Seminarkonzepte entwickeln, Interviews führen etc. – machen die vielen stillen Stunden etwas mit mir.

Ich bin mittlerweile in eine Ruhe hineingekommen, die ich seit Jahren nicht mehr kannte. Der Blick auf mich selbst kommt nur von mir. Mein Blick in die Welt wird von nichts abgelenkt.

Immer wieder stehe ich nur ganz still in der Natur und spüre die Luft.

Einmal in der Woche radle ich zum Lebensmittelladen und decke mich mit Vorräten ein. Manchmal besuche ich Familie und Freunde, gelegentlich kommt jemand zu einer Behandlung.

Dazwischen wieder Stille. Und Worte, die in mir wachsen dürfen, bevor sie aufs Papier gleiten.

In den ersten Wochen dachte ich, ich lebe regelrecht in einer Einsiedelei. Dann merkte ich, dass es nicht das richtige Wort ist. Das hier ist keine Einsiedelei, sondern ein Refugium. Welch ein Wort! Ein Refugium. Ein sicherer Ort, an dem man Zuflucht findet, an den man sich zurückziehen kann, um ungestört zu sein. Welches Wort könnte passender sein?

Braucht nicht jeder Mensch ein Refugium auf Zeit?

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Oder wie meldet sich deine Sehnsucht danach?

 

Kategorien: Inspirationen | Schlagworte: Meditation, Menschsein, Norwegen, Stille

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